Spielekritiken   Spieleauszeichnungen   Spielecharts   Berichte
A-F

G-N

O-Z





 




Auf den Spuren des Marco Polo



4

Spielspaß

4

Material

5

Spielregel

5

Kommunikation

1

Planung

5

Glück

3
Marco Polo, einer der bedeutendsten Handelsreisenden und Entdecker des Mittelalters, prägte mit seinem Erlebnisbericht "Wunderbare Reisen" nachhaltig die Vorstellungen von Ostasien im 14. und 15. Jahrhundert. Als Teilnehmer einer Karawane dürfen nun 2 bis 5 Mitspieler auf den Spuren des berühmten Venezianers wandeln. Die Reise geht zunächst von Hormus nach Kantshou, und in einer zweiten Etappe, von dort aus weiter nach Daidu.

Spielanleitung:


Eine Kiste, gefüllt mit 3 Goldklumpen, nennt ein jeder der Abenteurer zu Beginn sein eigen. Am Ende der über viele tausend Kilometer führenden Reise, sollte ein vielfaches davon vor den Spielern liegen, wollen sie eine Chance auf den Sieg haben. Die Strecke schlängelt sich in 30 Feldern über den in dezenten Farben gehaltenen Plan, auf jedem Feld darf immer nur eine Figur stehen. Will ein Spieler das nächste freie Feld betreten, muß er dafür einen Obolus abgegeben. Hierzu hält er Handelskarten auf der Hand. Öl, Gewürze, Seide, Obst oder einer der selteneren Karawanenführer in 5 Farben sind darauf zu sehen.

Das zu betretende Feld gibt genau vor, welche Karten abzugeben sind. So werden z.B. 3 gleiche Handelswaren (Farbe ohne Bedeutung), 4 verschiedene Waren, 3 gleichfarbige Karten oder 3 Karawanenführer verlangt. Besitzt ein Spieler die entsprechenden Karten, gibt er diese ab und läuft vorwärts. Im Idealfall hat er die richtigen Karten gleich mehrerer Felder auf der Hand und kann so in einem Zug ein ordentliches Stück Weg zurücklegen. Aber egal, ob man vorwärts kommt oder stehen bleiben muß, am Ende der eigenen Aktion darf man eine Karte ziehen. Dabei darf man sich entweder unter den 5 offen liegenden Karten bedienen oder die oberste des verdeckten Nachziehstapels nehmen.

Auf manchen Feldern der Strecke, meistens solchen, die die Abgabe einer größeren Menge an Karten erfordert, gibt es als Belohnung für den ersten, der das Feld betritt eine Goldkiste im Wert von 1 oder 2. Ansonsten gibt es Gold erst dann, wenn ein Spieler die erste oder zweite Etappe beendet hat. Je weiter ein Spieler nun auf der Strecke vorwärts gekommen ist, desto mehr Gold erhält er, allerdings nur, wenn er nicht allzu weit vom jeweiligen Ziel entfernt ist. Wer auf diese Weise das meiste Gold sammelt, darf sich als würdiger Nachkomme Marco Polos feiern lassen.

Fazit:
Marco Polo ist ein äußerst stilles Spiel. Jeder Spieler sammelt konzentriert Karten und plant sein weiteres Vorgehen, ohne dass ein einziges Wort am Tisch notwendig wäre. Die Regeln sind äußerst einfach, daraus entsteht jedoch keinesfalls ein langweiliges, eindimensionales Spiel. Ganz im Gegenteil. Welche Karten man sammelt, und in welchem Moment man sie einsetzt, sollte genau überlegt sein. Die Kartenkombinationen, die direkt aufeinander folgende Felder fordern, sind meist nicht kompatibel. So werden beispielsweise auf dem nächsten Feld drei gleichfarbige, auf dem übernächsten fünf verschiedenfarbige und auf dem dritten drei gleiche Handelswaren verlangt. Die Kunst ist es, nun so zu sammeln, dass man für alle drei Felder zumindest ansatzweise gewappnet ist. Denn sammelt man ausschließlich auf eine Kombination, machen einem allzu oft die Mitspieler einen Strich durch die Rechnung. Sie ziehen überraschend von dem direkt vor einem liegenden Feld weg, und anstatt das Feld, wie geplant, zu überspringen, benötigt man dafür plötzlich doch Karten. Besitzt man diese nicht, hat man einmal pro Zug die Möglichkeit, für die Abgabe einer Goldkiste, ein Feld ohne die notwendige Kartenkombination vorwärts zu ziehen. Voraussetzung ist jedoch, dass man dadurch nicht in Führung geht. Ob, und wie oft man von dieser Option Gebrauch macht, sollte man immer mit dem Hintergedanken entscheiden, dass der Ausgang des Spieles in der Regel äußerst knapp ist und zwischen Sieger und Zweitem meist nur eine Kiste liegt.

Auf den Spuren von Marco Polo ist aufgrund seiner stillen, unspektakulären Spielweise sicher nicht jedermanns Sache. Viele empfinden es als langweilige, emotionslose Kartensammlerei, wer jedoch Spiele á la Bazaar oder Samarkand mag, wird hier seine Freude haben und das Spiel immer wieder hervorholen. Was mir an Marco Polo besonders gefällt, ist, dass es auch in der angebotenen Variante zu zweit hervorragend funktioniert. Jeder der beiden Spieler führt hier zwei Karawanenführer, kann aber pro Zug nur einen vorwärts bewegen. Was bei anderen Spielen oft als Krücke benutz wird, um auch das Spiel in kleinstem Kreise zu ermöglichen, erweitert hier den Spielreiz um eine weitere Facette, da man immer wieder entscheiden muß, ob man beide Figuren gleichmäßig über die Felder bewegt, oder ob man eine Figur (kurz- oder langfristig) voraus schickt, um möglichst viele Punkte abzusahnen.
Auf den Spuren von Marco Polo
Gesellschaftsspiel von Reiner Knizia, Ravensburger, ca. EUR 21,-
2-5 Pers., ab 8 J., ca. 15-45 Min.

Auf den Spuren von Marco Polo
Ein langer Weg liegt vor den Spielern ...

Auf den Spuren von Marco Polo
... bis sie ihr Ziel erreichen.

Auf den Spuren von Marco Polo
Wer nach vorne drängt, bekommt zwar möglicherweise eine Belohnung, aber bereitet auch den Weg für die anderen.

Auf den Spuren von Marco Polo
Der Karawanenführer.

Auf den Spuren von Marco Polo
Natürlich geht es eigentlich nur ums Gold.
 
 
Impressum   Haftung   Links