Mit Spielen kommt man ganz schön in der Welt herum. Manhattan habe ich auf diese Weise von oben besichtigt, das südfranzösische Städtchen Carcassonne kenne ich inzwischen so gut wie meine Westentasche, und in Tikal ist mir keine Grabungsstätte mehr fremd. Neuestes Ziel meiner spielerischen Reisen ist Bayon, eine relativ unbekannte Tempelanlage in Kambodscha. Diese ist eine von insgesamt 30 Fundstellen, zu denen wir Spieler unsere Expeditionen leiten sollen.
Spielanleitung:
Ausgestattet mit 15 Goldstücken und einem Forscher beginnen wir das Spiel. Die Forscher tragen so klingende Namen wie Mirco Soft, Sir Vival und Sarah Condor und sind unterschiedlich talentiert in den 3 Fähigkeiten Orientierung, Grabung und Forschung. Die Werte reichen dabei von völlig unfähig auf einem Gebiet (sprich eine 0) bis Meister dieser Disziplin (= Höchstwert 5).
Die Forscher liegen offen vor den Spielern aus. Zu Beginn eines Zuges darf man sich ein weiteres Crewmitglied für 5 Goldstücke vom offenen oder vom verdeckten Vorrat hinzu kaufen. 10 Goldstücke gehen an einen Mitspieler, wenn man ihm einen seiner Forscher abwirbt. Mehr als 4 Forscher darf jedoch niemand sein eigen nennen.
Mit jedem Forscher kann man während eines Zuges eine Aktion durchführen. Zur Kennzeichnung, daß ein Forscher bereits tätig war, wird die Karte Richtung Tischmitte geschoben. So ist immer klar ersichtlich, wie viele Aktionen einem Spieler noch offen stehen.
Erste Aktionsmöglichkeit ist das Sammeln von Informationen über die Fundstellen. Diese liegen in der Tischmitte nach Kontinenten sortiert verdeckt aus. Der Spieler schaut sich nun eine Fundstelle an und merkt sich, welche Fähigkeiten seine Forscher haben müssen, um diese Expedition durchzuführen. Je weiter entfernt das Reiseziel ist, umso schwieriger ist es natürlich die Bedingungen zu erfüllen. In Europa fällt dies relativ leicht, Australien dagegen stellt an die Forscher höchste Anforderungen.
Zweite Möglichkeit ist das Durchführen einer Expedition. Hierfür müssen zunächst die anfallenden Kosten aufgebracht werden. Führt die Reise nach Europa ist dies mit 5 Goldstücken noch recht billig, Afrika kostet bereits 10 Dukaten und Australien, der entfernteste Kontinent, schlägt mit satten 25 Goldstücken zu Buche. Der Lohn für eine erfolgreich verrichtete Arbeit ist natürlich entsprechend. In Europa springen maximal 40 Dukaten heraus, in Australien dagegen wird man mit bis zu 120 Goldstücken belohnt. Um eine Expedition erfolgreich durchzuführen, müssen mit in diesem Zug noch nicht genutzten Forschern die Vorgaben erreicht oder übertroffen werden. Dann erhält man zur Belohnung die Karte mit der Fundstelle und dem darauf vermerkten Gewinn. Schlägt eine Expedition jedoch fehl, weil man sich die Anforderungen an die Forscher falsch gemerkt hat und irrtümlicherweise der Meinung war, die Expedition durchführen zu können, ist das eingesetzte Startgeld futsch.
Unabhängig davon, ob eine Expedition erfolgreich war oder nicht, einer der teilnehmenden Forscher muß zurückgegeben werden. Außerdem wird die Zollschildkarte auf den erforschten Kontinent gelegt, womit dieser Fundstellenstapel bis auf weiteres für alle weiteren Aktionen gesperrt ist.
Dritte Aktionsmöglichkeit ist das Versetzen eben dieses Zollschildes.
Anstatt mit Forschern die Möglichkeiten 1 bis 3 durchzuführen, kann man seinen Geldbeutel mit 5 Goldstücken auffüllen. Dies ist immer mal wieder nötig, da zwar auch mit Einnahmen aus erfolgreichen Expeditionen bezahlt werden kann, es aber in diesem Fall bei Überbezahlung kein Wechselgeld gibt.
Erreicht ein Spieler eine von der Teilnehmerzahl abhängige Anzahl an Goldstücken, steht der Sieger von Bayon fest.
Fazit:
Ohne ein gutes Gedächtnis geht bei Bayon fast nichts. Zwar kann man auch das Risiko eingehen, ohne vorher Informationen zu sammeln, eine Expedition zu wagen, schlägt dies jedoch fehl, sind sowohl Gold als auch ein Forscher verloren und das ist meist gleichbedeutend mit einer Niederlage. Wer also kein gutes Gedächtnis besitzt, ist bei Bayon klar im Nachteil und hat kaum eine Chance auf den Sieg. Alle anderen werden zumindest zu Beginn großen Spaß an Bayon haben. Mit der Zeit werden jedoch Abnutzungserscheinungen deutlich, da mit zunehmender Erfahrung alle Spieler nach der gleichen Taktik verfahren. Zunächst werden ein paar billige Expeditionen in Europa und Afrika durchgeführt. Damit bezahlt man dann die lukrativen Aufträge in Südamerika und Australien, von denen zwei oder drei genügen, um den Sieg davonzutragen. Verfahren jedoch alle auf die gleiche Weise, verliert das Spiel etwas an Elan, woran auch die grandiose Gestaltung der Karten nichts ändern kann.
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 Kartenspiel von Wolfgang Werner, Adlung, ca. EUR 7,- 2-4 Pers., ab 10 J., ca. 30-45 Min.

 Cliff Hanger bringt weniger als...
 ...Sarah Condor.

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