Cosmic Encounter genießt in der Spielszene einen nahezu legendären Ruf. Jeder kennt es und jeder mag es. Nur ich lebe anscheinend mit dem Makel, es noch nie gespielt zu haben. Aber dank der Neuauflage bei Hasbro werde ich diesen weißen Fleck aus meiner Spielographie endlich tilgen können. Voller Erwartung öffne ich also die Schachtel und bekomme leuchtende Augen. Sie ist prall gefüllt mit Material, alles Plastik, aber trotzdem schön. Meine Vorfreude wird ein wenig durch meine Frau getrübt. "Das sieht ja furchtbar kompliziert aus." verkündet sie, "Das möchte ich nicht spielen". Soll sie doch, aber sie wird eine der größten Perlen der Spielkultur verpassen. Und es gibt ja sicherlich genügend andere, die sich nach einer Partie Cosmic Encounter die Finger lecken. Wie ich feststellen muß, gehören die Frauen meiner Spielgruppen aber nicht dazu. Die lehnen nach einem kurzen Blick auf das Spiel dankend ab. Auch recht. Dann gehen wir Cosmic Encounter eben in einer reinen Männerrunde an.
Spielanleitung
Zunächst einmal wird der Spielplan aufgebaut. Je nach Anzahl der Mitspieler werden um das zentrale schwarze Loch 2 bis 4 Planetensysteme gelegt. Auf jeden Planeten des eigenen Systems stellt man 4 der insgesamt 20 eigenen Raumschiffe. Jeder übernimmt die Rolle eines von 20 außerirdischen Völkern. Diese besitzen spezielle Eigenschaften, die erheblichen Einfluß auf das Spielgeschehen haben. Für Neulinge empfiehlt der Verlag 4 ganz bestimmte Völker, die leicht zu handhaben sind und den Einstieg in Cosmic Encounter erleichtern. Jeder erhält noch 7 Karten und die Schlacht um die Vorherrschaft im Universum kann beginnen. Sieger wird am Ende derjenige sein, der zuerst 5 Kolonien auf fremden Planeten errichtet hat.
Der Ablauf des Spiels ist klar strukturiert. Mit dem Aufdecken einer Schicksalsscheibe wird zunächst per Zufall festgelegt, in welchem fremden Planetensystem ein Kampf stattfindet. Deckt man die eigene Farbe auf, werden entweder solange weiter Schicksalsscheiben umgedreht, bis eine fremde Farbe erscheint, oder man versucht einen eigenen Planeten, der von den Gegnern bereits eingenommen wurde, zurückzuerobern. 1 bis 4 Raumschiffe dürfen in die Schlacht ziehen, von welchen Kolonien wir diese holen, bleibt uns überlassen. Die Raumschiffe kommen in die mittlere Reihe des riesigen Mutterschiffes, das nun drohend auf den Planeten ausgerichtet wird, der erobert werden soll. Da es sich allein schlecht kämpft, haben nun sowohl Angreifer als auch Verteidiger die Möglichkeit neutrale Spieler als Verbündete zu gewinnen. Diese können der einen oder anderen Seite mit 1 bis 4 Raumschiffen beistehen. Natürlich tun sie das nicht völlig uneigennützig, denn diejenigen, die den Sieger unterstützen, erhalten eine Belohnung. Gewinnt der defensive Spieler, bekommt man bereits verlorenen Raumschiffe wieder zurück. Siegt der Aggressor, dürfen auch die Verbündeten eine Kolonie auf dem angegriffenen Planeten errichten. Pech jedoch, wenn man auf der falschen Seite steht. Dann sind alle eingesetzten Raumschiffe futsch.
Bevor es jedoch überhaupt zum Kampf kommt, müssen sowohl der offensive als auch der defensive Spiele verdeckt eine ihrer Begegnungskarten ausspielen. Diese zeigen Werte zwischen 4 und 30, die zur jeweiligen Anzahl der Raumschiffe addiert werden. Die höhere Summe entscheidet, wer Sieger ist. Das ist der normale Ablauf eines Kampfes, aber zu dem wird es selten kommen, denn jetzt greifen die speziellen Eigenschaften der einzelnen Völker und die Sonderkarten. Das Volk der Gewaltigen zum Beispiel vervierfacht den Wert der Raumschiffe, die Zeitmeister können eine Begegnung wiederholen, die Doppler dürfen ausgespielte Begegnungskarten behalten, die Antimaterie-Wesen gewinnen einen Kampf mit dem geringeren Endresultat, usw. Mit Sonderkarten kann man genau diese Eigenschaften wieder außer Kraft setzen oder aber den Gegner dazu zwingen seine Raumschiffe zurückzunehmen. Wie auch immer der Kampf geführt wird, am Ende erhält oder verteidigt der Sieger seine Kolonie, der Unterlegene verliert all seine an der Schlacht beteiligten Raumschiffe ins Schwarze Loch.
Es muß jedoch nicht unbedingt zum Kampf kommen. Spielen beide Seiten eine Verhandlungskarte aus, einigt man sich sozusagen in letzter Sekunde. Den Spielern steht nun völlig frei, was sie weiter tun. Möglich wäre beispielsweise der Austausch von Karten oder das Errichten einer Kolonie. Entscheidet sich jedoch ein Spieler für Kampf, der andere für Verhandlung gewinnt der aggressive Spieler sofort. Für dieses rücksichtslose Vorgehen erhält der Unterlegene eine Entschädigung. Entsprechend der Anzahl eigener Raumschiffe im Schwarzen Loch zieht er vom Gegner Begegnungskarten.
Unsere erste Partie, wir waren zu dritt, verlief enttäuschend. Nicht nur, daß sich das wirklich reichhaltige und schöne Material als unpraktisch, weil zu klein und unhandlich erwies; nein, auch der Spielspaß blieb völlig aus bei diesem Gesellschaftsspiel. Mir war klar, wir mußten etwas falsch gemacht haben. Also nochmals die Regel gelesen, aber an die hatten wir uns korrekt gehalten. Die nächsten Partien, diesmal zu viert, waren schon befriedigender, ein echter Renner war Cosmic Encounter deshalb noch immer nicht. Einige Völker sind unglaublich stark und wenn man nicht zum Ausgleich hervorragende Begegnungskarten erhält, ist gegen diese wenig auszurichten. Einziges probates Mittel gegen diese Übermacht sind Allianzen der übrigen Spieler, aber auch das wollte nicht richtig funktionieren. Schließlich rief ich einen Freund an, der mir seit Jahren von Cosmic Encounter vorschwärmt. Dieses Gespräch brachte Erstaunliches zutage. Zu zweit und zu dritt ist das Spiel seiner Meinung nach völlig unbrauchbar. Die zentralen Spielelemente, die Verhandlungen und Bündnisse, kommen erst beim Spiel zu viert zum tragen, aber um alle Möglichkeiten auszuschöpfen, bedarf es hier an Erfahrung. Für Einsteiger empfiehlt er deshalb ein Spiel zu fünft oder sechst. Ähm - an diesem Punkt des Gespräches warf ich einen zweifelnden Blick in meine Schachtel. Nein, ich hatte nichts übersehen, die Hasbro-Ausgabe ist wirklich für 2 - 4 Spieler. Seine Empfehlung deshalb: "Am besten ihr greift auf eine ältere Ausgabe zurück, z.B. der von Hexagames aus dem Jahre 1991. Hier könnt ihr in größerer Runde üben und dann macht auch ein Spiel zu viert Spaß". Tja, prima. Da bin ich aber froh. Leider besitze ich nun aber die Hexagames-Version von Cosmic Encounter nicht und so fühle ich mich irgendwie ein wenig betrogen. Zwar habe ich Cosmic Encounter jetzt endlich gespielt, aber das echte, alle begeisternde Spiel, habe ich offensichtlich noch nicht kennengelernt.
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 Verhandlungsspiel von Bill Eberle, Jack Kittredge, Bill Norton und Peter Olatka, Avalon Hill/Hasbro, ca. EUR 50 2-4 Pers., ab 12 J., ab ca. 60 Min.

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