Der Rio Verde und der Rio Moreno, zwei gewaltige Bergflüsse, suchen sich den Weg durch Wälder und Felder hinunter ins Tal, wo sie in zwei Seen münden. Ziel des Spieles ist es den Lauf des Wassers so zu lenken, dass es möglichst an den eigenen Feldern vorbeifließt. Moment - habe ich nicht erst vor Kurzem einen ganz ähnlichen Satz geschrieben? Stimmt! Auch bei Santiago aus dem Hause Amigo legen die Spieler während einer Partie den Lauf eines Wasserkanals fest und bestimmen so, welche Plantagen bewässert und somit punktbringend sind. Aber die thematische Ähnlichkeit zwischen den beiden Spielen ist rein äußerlich und die einzige Übereinstimmung. Während bei Santiago langfristige Überlegungen eine Rolle spielen, muß bei Dos Rios immer aus der aktuellen Situation das Beste gemacht werden. Planungen, über den aktuellen Zug hinaus, sind eher selten. Aber seht selbst!
Am oberen Ende des variablen Spielplans entspringen die beiden Flüsse. Von dort aus fließen sie immer auf eines der direkt darunter liegenden Felder, und zwar immer auf das, welches per Definition am niedrigsten liegt. Ein Berg ist immer höher als ein Wald, dieser wiederum überragt immer die Anbaufelder. Stehen mehrere niedrigste Optionen zur Auswahl, wählen die Spieler eine beliebige davon aus.
Spielanleitung
Sechs Figuren wandern pro Teilnehmer über den Spielplan, sechs Bewegungspunkte stehen den Spielern pro Zug für diese zur Verfügung. Ob man nun mit einer Figur sechs Felder weit läuft oder mit einem vier und einem anderen zwei, das bleibt jedem selbst überlassen.
Ziel ist es, mit den Figuren möglichst die bewässerten Felder zu erreichen, die im aktuellen Zug gewertet werden. Welche Felder dies in den kommenden Zügen sind, ist immer an den offenen Erntekarten ersichtlich. Wird also Weizen in die Scheunen gebracht, versucht der aktive Spieler Weizenfelder zu erreichen, werden alle Felder entlang des Rio Moreno abgeerntet, sind dieses die Orte, denen man zustrebt.
Pro bewässertem Feld, das im aktuellen Zug gewertet wird und auf dem eine eigene Figur steht, erhalten die Spieler 100 Geldeinheiten. Und zwar nicht nur der Spieler am Zug, sondern alle, die diese Bedingung erfüllen. Wenn auf diese Art und Weise die Konkurrenten mehr Geld einstecken als man selbst, kann man sich überlegen, ob man die Wertung ausfallen läßt und so alle mit leeren Händen aus der aktuellen Runde hervorgehen.
Da auf jedem Feld immer nur Figuren eines Spielers stehen dürfen, kommt es zwangsläufig zu einem munteren Rauswerfen, das einer Partie "Mensch ärgere dich nicht" in keinster Weise nachsteht. Werfen darf man eine fremde Figur immer dann, wenn die eigene Figur von einem höheren Feld oder in der Übermacht von 2:1 kommt. Geworfene Figuren kommen zurück in die Stadt am unteren Spielfeldrand, von wo aus sie neu auf die Jagd nach Geld gehen können.
Eine andere und höchst originelle Art und Weise, den Gegnern von den Geldausschüttungen auszuschließen, ist, dass man ihnen das Wasser abgräbt. Hierzu legt man einen Holzdamm, zwischen zwei Felder, unterbricht auf diese Weise den Fluß, und leitet ihn ab hier nach den oben genannten Fließregeln im eigenen Sinne um. Zu Spielbeginn erhält jeder Spieler zwei solcher Dämme. Aber natürlich möchte ein jeder öfter Einfluß auf den Verlauf der Flüsse nehmen. Deshalb ist es wichtig, sich weitere Dämme zu sichern. Diese gibt es immer dann, wenn eine Wertung auf Wäldern stattfindet. Anstatt Geld gibt es dann einen neuen Damm, was sinnvoll eingesetzt, letztendlich doch wieder zu mehr Geld führt.
Ziel von Dos Rios ist es, mit dem Geld insgesamt 4 Häuser zum Preis von 500 und eine Hazienda zum Preis von 1000 Geldeinheiten zu bauen. Wem dies zuerst gelingt, ist nach knapp einer Stunde Sieger dieses turbulenten Spieles.
Fazit:
Wie bereits in der Einleitung dieses Gesellschaftsspiels erläutert, ist Dos Rios kein Spiel für langfristige Planungen. Doch genau das suggerieren die offen ausliegenden Erntekarten, welche die zu wertenden Felder der kommenden drei bis fünf Züge anzeigen. Zwar ist es nicht völlig nutzlos Figuren auf Felder zu stellen, die im nächsten oder übernächsten Zug gewertet werden, aber die Gefahr ist groß, dass sie bis dahin von einem der nachfolgenden Spieler geschmissen werden. Und auch der Verlauf des Flusses ändert sich oft dermaßen dramatisch, dass man sich nie sicher sein kann, ob eigene Figuren und Häuser langfristig auf den bewässerten Feldern stehen. Aber spätestens nach der zweiten Partie ist dies jedem der Beteiligten klar und die Spielweise ändert sich. Jetzt wird versucht aus dem aktuellen Zug das Maximum an Gewinn herauszuholen, indem man Flüsse umleitet und die gegnerischen Figuren zurück in die Stadt schickt. Wer auf diese Weise an Dos Rios herangeht, wird bei diesem äußerst originellen Spiel, das, wie bei Kosmos üblich, sehr schön gestaltet und ausgestattet ist, viel Spaß haben.
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 Gesellschaftsspiel von Franz-Benno Delonge, Kosmos, ca. EUR 31,- 2-4 Pers., ab 12 J., ca. 70-90 Min.
Auszeichnungen: Spiel des Jahres: Empfehlungsliste (2004)




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