Warum sich manche Spiele trotz originellem Mechanismus, einem ansprechenden Äußeren und guten Kritiken nicht am Markt durchsetzen können, ist ein Mysterium, das sicherlich schon so manchen Produktmanager in den Verlagen zum Verzweifeln gebracht hat. Man hat eigentlich alles richtig gemacht und trotzdem bleibt dem Spiel der verdiente Erfolg versagt. Auch Gambler, 1998 bei Ravensburger unter dem Label FX erschienen, ist so ein Fall. Das Spiel hatte einfache, schnell begriffene Regeln, erinnerte optisch ein wenig an den Mega-Erfolg Bluff und wurde in den meisten Publikationen sehr wohlwollend beurteilt. Und doch verschwand Gambler schon bald wieder aus dem Verlagsprogramm. Jetzt erscheint das Spiel ein zweites Mal, in neuem Gewand und mit neuem Namen.
Spielanleitung
Engel & Bengel ist ein Würfelspiel, bei dem man viel Glück, aber auch das richtige Timing für den Spielsieg benötigt. Mit 80 Punkten in Form von Münzen startet man in das Spiel, 500 müssen es werden um den Sieg davonzutragen.
30 Würfel werden gleichmäßig an die Teilnehmer verteilt, pro Spielrunde stehen dem Einzelnen aber immer nur 5 davon zur Verfügung. Diese werden geworfen und mindestens einer davon muß, falls möglich, auf einem Tableau in der Tischmitte plaziert werden. Die Tableaus zeigen unterschiedlich lange Reihen, die von links nach rechts mit Würfeln der abgebildeten Augenzahl belegt werden müssen. Bei Reihen mit Sternen (= Joker) legt der erste gelegte Würfel die Augenzahl für die restlichen, gleichfarbigen Sterne dieser Reihe fest.
Wer will kann nach seinem ersten Wurf mit seinen verbliebenen Würfeln sofort weiterspielen, spätestens mit dem fünften Wurf ist aber Schluß und der nächste ist an der Reihe. Das gleiche gilt, wenn es nicht gelingt, einen Würfel auf dem Tableau zu plazieren.
Ist man im späteren Verlauf des Spieles erneut an der Reihe, darf man wieder mit 5 Würfeln beginnen, falls man noch genügend Würfel in Reserve besitzt.
Was ist aber nun Sinn und Zweck der ganzen Würfelei? Für komplett belegte weiße Reihen gibt es Punkte, je länger eine Reihe ist, umso mehr. Diese Punkte erhält allerdings nur derjenige, der den letzten Würfel in einer Reihe plazieren kann. Logisch, dass die langen, punkteträchtigen erst mal nur zögerlich gefüllt werden, da man auf die rege Vorarbeit der Mitspieler hofft, um im entscheidenden Moment zuzuschlagen, (falls das Würfelglück dies zuläßt). Aber all diese Überlegungen sind hinfällig, wenn am Tisch ein Mensch sitzt, der alles Glück der Welt gepachtet hat (und so einer ist meistens dabei, glauben Sie mir!). Dieser wird selbst die längsten Reihen im Handumdrehen füllen oder mit nur einem einzigen verbliebenen Würfel genau die Zahl werfen, die ihm 100 Punkte sichert.
Und genau so, wie es meistens einen Glückspilz gibt, ist unausweichlich auch einer dabei, der alles Pech der Welt auf sich vereinigt. Nur selten wird es ihm gelingen, den letzten Würfel einer weißen Reihe zu füllen und die paar Punkte, die er abstaubt wird er schnell wieder bei den schwarzen Reihen verlieren. Hier muß nämlich derjenige, der den letzten Würfel legt, wieder Punkte abgeben.
Ist ein Tableau komplett gefüllt, erhält jeder Spieler seine Würfel zurück und der nächste Plan wird aufgedeckt. Insgesamt gibt es 8 beidseitig bedruckte Tableaus, mal mit vielen schwarzen Reihen, mal mit wenigen, mal mit vielen Jokern, mal mit gar keinen. Für Abwechslung ist also gesorgt. Nach ca. 30 kurzen Minuten hat einer der Spieler die verlangten 500 Punkte erreicht. Lange wird er sich an seinem Sieg allerdings nicht freuen können, denn meistens werden die Unterlegenen eine sofortige Revanche verlangen.
Fazit:
Gegenüber der Gambler-Ausgabe wurde inhaltlich wenig verändert. Es gibt 2 Tableaus weniger und die Würfelreihen wurden leicht verändert. Das Spiel steckt jetzt in der querformatigen Ravensburger-Schachtel und wurde grafisch weg vom Erwachsenenspiel in Richtung Familien- und Funspiel gestaltet. Und genau in dieser Zielgruppe ist Engel & Bengel auch bestens aufgehoben. Mit seinem einfachen, pfiffigen Mechanismus löst es die ganze Bandbreite an Emotionen von Ärger über Schadenfreude bishin zu grenzenlosem Jubel aus und eignet sich somit bestens für verregnete Sonntagnachmittage mit Großeltern, Eltern und Kindern oder für lockere Erwachsenenrunden zum Einstieg in den Abend.
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 Würfelspiel, Ravensburger, ca. EUR 20,- 2-6 Pers., ab 8 J., ca. 30 Min.
Vorgänger: Gambler
 Buntere Tableaus und ...
 ... detaillierteres Spielgeld als beim Original.
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