Eigentlich müßte auf der Verpackung von Halali ein Warnhinweis stehen: "Vorsicht- dieses Spiel weckt die dunkle Seite in Ihnen". Und wirklich, was ich mir hier auf dem Spielplan erlaube, hätte ich nie für möglich gehalten. Gnadenlos holze ich ganze Wälder ab, und knalle, ohne mit der Wimper zu zucken, alles nieder, was mir vor die Flinte kommt. Aber meine Frau ist auch nicht besser. Sie ist in die Rolle eines grimmigen Braunbären geschlüpft und wenn ich mich nicht vorsehe, frißt sie mich so mir nichts dir nichts einfach auf.
Diese wilde Szenerie findet auf einer Lichtung statt, ich vermute mal in Rußland, denn bei uns gibt es ja bekannterweise keine Braunbären mehr. Die Lichtung ist mit 7 x 7 Feldern überzogen. Auf diese werden verdeckt 48 gut gemischte Kärtchen gelegt. Nur das Mittelfeld bleibt frei.
Spielanleitung
Bevor es losgehen kann, werden die Rollen verteilt. Auf der einen Seite gibt es die Jäger und Holzfäller (auf den Kärtchen 8x, bzw. 2x vorhanden), die Gegenseite besteht aus den Füchsen (6x) und den Bären (2x). Diese Ungleichheit bei der Anzahl der "Spielfiguren" ist durchaus gerechtfertigt. Doch dazu erst später.
Wer mitgezählt hat weiß, daß noch 30 Kärtchen fehlen. Diese sind keinem der Spieler zugeordnet und zeigen Bäume, Fasane und Enten.
Wer am Zug ist, wählt zwischen 2 Spielmöglichkeiten. Entweder dreht man ein verdecktes Plättchen um oder man bewegt ein bereits aufgedecktes. Möglichkeit 1 erklärt sich von selbst, bei Nummer 2 sind einige Regeln zu beachten. Gezogen werden darf nur waagrecht oder senkrecht über freie Felder: Fuchs, Jäger, Ente und Fasan sind hierbei besonders mobil, denn sie können über beliebig viele Felder laufen, Bär und Holzfäller sind auf einen Schritt beschränkt und die Bäume, das liegt in der Natur der Sache, sind völlig unbeweglich. Wichtig ist noch, bewegen darf man nur eigene und neutrale Kärtchen.
Spielziel ist es, möglichst viele gegnerische oder neutrale Kärtchen zu schlagen. Geschlagen wird, indem man auf das entsprechende Plättchen zieht. Dabei sind die Schlagregeln zu beachten. Ein Holzfäller schlägt logischerweise nur Bäume, der Jäger erschießt alle Tiere und der Fuchs frißt Fasane und Enten. Nur der Speiseplan des Bären ist etwas erklärungsbedürftig. Der hat es nämlich auf die Jäger und Holzfäller abgesehen. Enten und Fasane verschmäht er seltsamerweise.
Eine Besonderheit gibt es noch. Der Jäger darf nur in die Richtung schlagen, in die sein Gewehr schaut. Dies rechtfertigt die zahlenmäßige Ungleichchverteilung der Spielfiguren.
Aus diesen wenigen und sehr eingängigen Regeln entwickelt sich ein munteres Spiel. Beim Aufdecken sollte man darauf achten, dem Gegner keine Geschenke zu machen. Spielt man z.B. die Fuchs/Bär Seite, deckt man natürlich kein Plättchen in Schußrichtung der Jäger auf, sondern in der Nähe einer eigenen Figur.
Beim Ziehen ist es ein beliebtes Mittel, die unbeweglichen Holzfäller und Bären mit anderen Kärtchen einzukreisen und dann zu schlagen. Oder die Füchse kesseln die Jäger ein, die dann eine leichte Beute für den Bären sind. Aber das schreibt sich so leicht, denn Halali ist ein extrem glücksabhängiges Spiel, das unglaublich ungerecht sein kann. Da wird ewig kein Bär aufgedeckt und taucht endlich einer auf, schaut er direkt in die Mündung eines Gewehres. Oder der Bär ist von Bäumen eingekreist und somit völlig unbrauchbar. Furchtbar ärgerlich ist es auch, wenn die Jäger mit absoluter Sicherheit immer in die falsche Richtung zielen. Und um das Pech vollkommen zu machen, steht in ihrem Rücken auch schon der Bär mit gefletschten Zähnen bereit.
So geht es schnell Zug um Zug und irgendwann ist das letzte Plättchen aufgedeckt. Ab dann hat jede Seite noch genau 5 Spielzüge Zeit, eigene Figuren aus den 4 Ausgängen des Waldes hinauszuführen. Danach ist Schluß und jeder zählt die erzielten Punkte. Dabei reicht die Palette von 2 Punkten für die Bäume bis zu 10 Punkten für die Bären.
Wem klar ist, daß bei Halali nur sehr beschränkt taktische Möglichkeiten bestehen und sich das Glück erbarmungslos auf die Seite eines Spielers stellen kann, den erwartet ein witziges kleines Spiel. Und wenn eine Partie völlig ungerecht verläuft (was durchaus öfter vorkommt), kann man sich damit trösten, daß Halali maximal 20 Minuten dauert und bei der Revanche das Glück vielleicht auf der anderen Seite steht. Im übrigen ist es nicht so, daß die Jäger/Holzfäller-Seite im Vorteil ist, wie ich nach den ersten Partien befürchtete. Nach inzwischen über 20 Spielen, bin ich mir sicher, daß beide Seiten gleiche Chancen haben. Vielmehr ist entscheidend, wann und wo die eigenen Figuren aufgedeckt werden.
Halali ist das, was im allgemeinen als Spiel für zwischendurch bezeichnet wird. Den meisten Spaß wird dabei der haben, der sich mit den Figuren identifiziert. Ich kann es z.B. nicht lassen, jeden Schuß meiner Jäger mit einem lauten Peng und das Fällen der Bäume mit dem Geräusch einer Kettensäge zu begleiten. Wer dies auch mal machen will und mit einem extrem hohen Glücksanteil leben kann, dem sei Halali empfohlen. Alle anderen sollten die Finger davon lassen.
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Spiel für Zwei, Goldsieber, ca. 25,- DM 2 Pers., ab 8 J., 40 Min.
 Vor der Jagd ...
 ... und mittendrin.
 Der Bär frißt ...
 ... den Holzfäller.
 Der Jäger erschießt ...
 ... den Fuchs.
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