An Tagen, an denen alles schief geht, behaupte ich gerne, daß es einem Straßenköter besser geht als mir. In Zukunft werde ich vorsichtig mit solchen Äußerungen sein. Durch Christophe Boelingers Spiel habe ich am eigenen Leib erfahren, wie es tatsächlich ist, so ein Hundeleben.
Spielanleitung
2 bis 6 Hunde streunen durch die nächtliche kleine Stadt. Ziel ist es als erster 4 Knochen im heimatlichen Revier zu verbuddeln. Da die Knochen aber nicht auf der Straße liegen, muß man sich so einiges einfallen lassen, um an sie heranzukommen. Erste Möglichkeit ist das Durchwühlen der Mülleimer. Eine schmutzige Angelegenheit, aber ab und an durchaus lohnenswert. Auch durch das Betteln am Hinterausgang der zahlreichen Restaurants kann man Knochen abstauben. Aber nicht immer trifft man auf einen Küchenchef mit gutem Herz. Ebenso kann es einen kräftigen und äußerst schmerzhaften Tritt in den Hintern geben. Die größten Aussichten auf Erfolg hat man, wen überrascht es, durch harte Arbeit. Wer am Kiosk eine Zeitung abholt und beim Empfänger abliefert, wird in der Regel reich belohnt.
Ob man mit seinen Versuchen, Knochen zu erhalten, Erfolg hat, legen Karten fest. Jeder Spieler besitzt einen eigenen individuellen Kartenstapel, der gut gemischt und verdeckt abgelegt wird. Durchstöbert man nun z.B. einen Mülleimer, deckt man die oberste Karte auf. Die Karten sind in 6 Felder unterteilt. Entscheidend ist jetzt, was im Feld für Mülleimer abgebildet ist. Ein Hund? - Tja, Pech gehabt, das war eine Niete. Ein Knochen? Prima, am besten macht man sich jetzt gleich auf den Nachhauseweg und vergräbt das gute Stück.
Neben Nieten und Knochen kann man im Mülleimer, im Restaurant oder fürs Zeitung austragen auch 1 bis 3 Fressrationen abstauben. Das bringt zwar nichts für den Spielsieg, aber es verhindert, daß man an den Rand des Hungertodes gerät. Zu Beginn eines Zuges müssen die Hunde nämlich etwas fressen und steht der Hungeranzeiger des eigenen Vierbeiners auf Null, geht es ab ins Tierheim. Und von dort kommt man nicht mehr so schnell weg. Im schlimmsten Fall bedeutet ein Tierheimaufenthalt 4 Runden Pause. Nur wenn die Karten gnädig sind, kommt man schneller wieder in Freiheit.
Im Tierheim landet man auch, wenn man vom Hundefänger geschnappt wird. Der wird am Ende des Zuges von jedem Spieler mittels eines Würfels bewegt. Landet er neben einem Hund werden wieder die Karten befragt, ob man hinter Gittern landet oder weiter durch die dunklen Gassen streunen darf. Bleibt der Hundefänger jedoch direkt auf dem Feld eines Hundes stehen, hilft kein Betteln und Flehen, dann geht es auf jeden Fall ins Tierheim.
Bisher habe ich lediglich erklärt, was man alles tun kann, aber nicht, wie man es tut. Das ist ganz einfach. Jeder Spieler hat eine bestimmte Menge Aktionspunkte für seinen Zug zur Verfügung. Jeder Schritt durch die Straßen oder das Betreten eines Gebäudes kostet einen Aktionspunkt. Jeweils ein weiterer Aktionspunkt sind für die bereits beschriebenen Aktionen wie z.B. im Restaurant betteln und Mülleimer durchsuchen fällig. Aber damit sind die Möglichkeiten noch nicht erschöpft. Man kann auch den Mitspielern das Hundeleben ein wenig schwerer machen. Auf Feldern mit Straßenlaternen können die Vierbeiner pinkeln. Andere Hunde, die dieses Feld in Zukunft überqueren wollen, machen hier erstmal eine Schnupperpause. Ist die Blase eines Hundes im übrigen leer, läßt sie sich an einem der zahlreichen Brunnen der Stadt wieder auffüllen.
Die letzte Möglichkeit Aktionspunkte einzusetzen ist der Kampf mit anderen Hunden. Bleibt man auf dem Feld neben einem Rivalen stehen, darf man mit diesem eine kleine Beißerei anfangen. Sinn macht das nur, wenn der andere einen Knochen oder eine Zeitung bei sich hat. Die kann man im Falle eines Sieges (was natürlich wieder durch das Aufdecken einer Karte entschieden wird), gleich sich selbst unter die Pfoten reißen.
Fazit:
So ein Hundeleben ist ohne Zweifel ein reines Glücksspiel, das aber nicht ohne Reiz ist. Zum Spaß trägt das tolle Thema und seine witzige Umsetzung bei. Bei welchem anderen Spiel kann man denn seinen Konkurrenten direkt vor die Füße pinkeln oder mal ordentlich in die Waden beißen? Was dann doch noch ein wenig Taktik ins Spiel bringt, ist die Tatsache, daß jeder Hund seine Stärken und Schwächen hat. Belle, die feine Pudeldame, hat z.B. wenig Erfolg beim Durchwühlen der Mülleimer, dazu ist sie sich zu fein. Auch Kämpfen ist nicht gerade ihre Stärke (was die anderen Köter natürlich auch wissen), aber beim Betteln im Restaurant und beim Zeitung austragen ist Belle einsame Klasse. Man sollte sich vor Spielbeginn seinen Kartenstapel also genau ansehen, um festzustellen, welche Aktionen große Chancen auf Erfolg haben.
Der Spielablauf ist leider zunächst wenig einprägsam. Immer wieder wird zu Beginn vergessen den Hungermarker um ein Feld Richtung Null zu schieben und auch der Hundefänger bleibt immer mal wieder unfreiwillig stehen. Im Spiel zu fünft und zu sechst ist diese Figur im übrigen zu mächtig. Bis man wieder an der Reihe ist, hat, bei entsprechenden Würfelergebnissen, der Hundefänger so gut wie jeden ins Tierheim verfrachtet. Am meisten Spaß gemacht hat So ein Hundeleben deshalb zu dritt oder zu viert. Zwar kommt es auch hier vor, daß das Glück sich gnadenlos auf die Seite eines Spielers schlägt, aber die Spieldauer ist dann noch in einem Rahmen, der keine Langeweile aufkommen läßt.
Das Mindestalter, ist wie bei Eurogames fast immer üblich, zu hoch angesetzt. Denn in reinen Erwachsenenrunden kam das Spiel nur mäßig an. Wir hatten das Spiel jedoch dieses Jahr im Urlaub dabei und mein ältester Sohn (9 Jahre) hat es mit seinen gleichaltrigen Kumpels auf dem Campingplatz immer wieder gespielt. Und auch ich habe eigentlich gerne mitgemacht, wenn ich nicht gerade Belle als Figur zugelost bekam. Aber diesem Schicksal bin ich nur selten entgangen.
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Gesellschaftsspiel von Christophe Boelinger, Eurogames, ca. EUR 25,- 2-6 Pers., ab 12 J., ca. 60 Min.
 In diesem Viertel gehts rund.
 Rex ist auch dabei.
 In der Pizzeria betteln kann sich lohnen, ...
 ... vor allem, wenn man so süüüüss ist ...
 ... wie Belle.
 Hardwarecheck beim Strassenköter.
 Im Restaurant kommt dieser Hund gut weg.
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