So ein Mist - es regnet ohne Unterlaß und dabei steht mir das Wasser sowieso schon bis zum Hals. Was ich jetzt dringend brauche ist so richtig viel Sonne. Aber ein Blick auf die Wetterkarte genügt und ich weiß, es wird weiter schütten wie aus Kübeln.
Was sich anhört, wie der Frühling 2001 in Deutschland ist in Wirklichkeit eine typische Situation aus dem Spiel Land unter. Dort schlüpfen wir Spieler in die Rolle von Schweinen, denen das Wetter allerübelst mitspielt. Entweder knallt die Sonne vom Himmel oder es regnet wie aus Eimern. Folge von letzterem sind immer höher steigende Wasserpegel, die im schlimmsten Fall uns armen Schweinen sogar über den Kopf steigen. Da hilft dann nur noch der Einsatz von Rettungsringen, womit wir auch schon beim Spielziel wären. Wer nach mehreren Runden am wenigsten Ringe zur Rettung der eigenen (nassen)Haut gebraucht hat, gewinnt das Spiel.
Spielanleitung
Wie in so vielen Kartenspielen der letzten Zeit, bekommen die Spieler eine bestimmte Anzahl von Karten in die Hand, von denen sie eine auswählen, verdeckt ablegen und dann gleichzeitig aufdecken. In diesem Fall heißen diese Karten Wetterkarten und zeigen die Werte von 1 bis 60. Zusätzlich zu den Zahlen sind auf diesen Karten Rettungsringe abgebildet, und zwar einer, ein halber oder gar keiner. Jeder Spieler zählt die Rettungsringe auf seinen 12 Wetterkarten zusammen und erhält entsprechend viele Rettungsringkarten, die er vor sich ablegt.
Interessanterweise sind auf den Extremwerten der Wetterkarten, also den ganz hohen (49 - 60) und den ganz niedrigen (1 - 12) keine Rettungsringe abgebildet. Die mittleren Werte dagegen (25 bis 36) haben einen ganzen Rettungsring abbekommen, die Werte dazwischen jeweils einen halben. Diese Aufteilung ist zwar eigenwillig, aber gerechtfertigt, denn bei Land unter sind die mittleren Zahlenwerte die schlechtesten. Der Spieler, der also ein richtig mieses Blatt hat, erhält dafür als Ausgleich viele Rettungsringe, der mit dem Bombenblatt eben ganz wenige. So wird mit einem cleveren Kniff das Kartenglück wieder relativiert.
Gespielt wird um die dritte Art von Karten: den 24 Wasserstandskarten (2 mal die Werte 1 bis 12). Auf ihnen sind die schon eingangs erwähnten Schweine abgebildet. Je schlechter eine solche Karte ist, um so schlimmer steht es um das Schwein. Bei der 1 werden dem Schwein gerade mal die Füße umspült, bei der 3 reicht ihm das Wasser bis zu den Knien und bei der 12 ist schon ein Schnorchel notwendig, um das Ertrinken zu verhindern. Das Ziel der Spieler ist also schon bildlich deutlich erkennbar, nämlich nur niedrige oder noch besser, gar keine Wasserstandskarte zu erhalten.
Gespielt wird Land unter in so vielen Durchgängen, wie Spieler teilnehmen. Ein Durchgang endet nach 12 Runden, wenn alle Wetterkarten ausgespielt wurden. Danach folgt eine Wertung.
In jeder Runde werden die beiden obersten Wasserstandskarten vom verdeckten Stapel offen ausgelegt. Die Spieler suchen sich eine ihrer Wetterkarten aus, die dann gleichzeitig aufgedeckt werden. Der Spieler mit der höchsten Wetterkarte erhält nun die niedrigere der beiden Wasserstandskarten, der mit der zweithöchsten Wetterkarte, die höhere. Diese Regel ist äußerst gewöhnungsbedürftig und hat bisher bei allen Spielern, mit denen ich Land unter zum ersten Mal gespielt habe für Verwirrung gesorgt. Es dauert schon ein paar Runden, bis man dieses "Über-Kreuz-Denken" verinnerlicht hat. Ist die Regel aber erst mal in den Köpfen, wird auch klar, warum die mittleren Werte der Wetterkarten die schlechten sind. Mit ihnen ist logischerweise die Gefahr am größten, die höhere der beiden Wasserstandskarten zu erhalten.
Die erspielten Wasserstandskarten legen die Spieler vor sich ab. Besitzen sie bereits welche aus vorhergehenden Runden, werden diese mit der neuen zugedeckt, so daß immer nur die zuletzt erhaltene Karte sichtbar ist. Nach jeder Runde wird nachgesehen, bei welchem Spieler der Wasserstand gerade am höchsten ist. Dieser muß nun eine seiner Rettungsringkarten umdrehen. Um es nochmals ganz deutlich zu machen, das muß nicht der Spieler sein, der in dieser Runde die höchste Wasserstandskarte erhalten hat, sondern es kann auch einer sein, der aus einer vorangegangenen Runde einen höheren Wert hat. Kann man keinen Rettungsring mehr umdrehen, scheidet man aus. Sollten auf diese Weise nur noch 2 Spieler übrig bleiben, endet der Durchgang vorzeitig und es wird gewertet. Jeder nicht umgedrehte Rettungsring bringt einen Punkt, der niedrigste Wasserstand ebenfalls einen, ausgeschiedene Spieler werden mit einem Minuspunkt bestraft.
Das Spiel macht schon bis hierher Spaß. Richtig klasse wird es aber durch eine weitere Regel. In den jetzt folgenden Durchgängen werden nämlich nicht einfach alle Wetterkarten neu gemischt und verteilt sondern jeder Spieler reicht die 12 Wetterkarten, mit denen er gerade gespielt hat und die dazugehörenden Rettungsringe an den linken Nachbarn weiter. So kann jeder beweisen, daß er es mit den Karten der anderen besser macht und mehr Punkte mit dem angeblich so schlechten Blatt herausholt. Gerade diese Regel ist bei allen Spielern, mit denen ich Land unter bisher getestet habe, hervorragend angekommen. Es wurde sogar öfters überlegt, diesen Passus auf andere Spiele zu übertragen.
Nachdem jeder mit jedem Blatt gespielt hat, endet das Spiel.
Stefan Dorra ist mit Land unter ein richtig gutes Kartenspiel gelungen. Er hat in ein an sich nicht ungewöhnliches Spiel ein paar tolle Ideen eingebaut, die es dann doch zu etwas besonderem machen. Wie schon gesagt, der Einstieg ist nicht leicht, hat man sich aber an die neuen Mechanismen gewöhnt, ist Spielspaß garantiert. Und das gilt ganz besonders für die volle Besetzung mit 5 Mann.
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Kartenspiel von Stefan Dorra, Berliner Spielkarten, ca 10,- DM 3-5 Pers., ab 10 J., ca. 30 Min.
 Wem steht das Wasser bis zum Hals?
 Na, das sieht ja noch okay aus.
 Der Wetterfrosch bestimmt das Klima.
 Weil's so schön ist...
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