Jedesmal, wenn ich M zum erstem Mal mit jemandem spiele, bekomme ich mit absoluter Sicherheit folgende Frage zu hören: "Hast du das Spiel auf dem Flohmarkt gekauft?" NEIN, ich habe M nicht auf dem Flohmarkt gekauft, es handelt sich wirklich um ein neues Spiel. Aber ich muß zugeben, M sieht aus, als stamme es aus den späten 70gern: völlig abstrakt, herrlich bunt und einem Untertitel (Mega-Spass mit Mini-Regeln), der garantiert aus dieser Zeit stammt. M ist mit einer bewundernswerten Konsequenz altmodisch. Aber davon lasse ich mich nicht abschrecken, schließlich handelt es sich bei Legespielen um eine meiner Lieblingskategorien. An M führte für mich deshalb kein Weg vorbei.
Spielanleitung
M wird mit 90 quadratischen Pappkarten gespielt, wobei nur beim Spiel zu sechst alle Karten im Spiel sind. Jede Karte besitzt 3 Eigenschaften: Wert (0, 10, 20, 30, 40), Farbe (Rosa, Lila, schmutziges Gelb und,... wie soll ich nur diese Farbe definieren, ich versuche es mal mit erdigem Braun) und Symbol ( die sind nun wirklich nicht beschreibbar). Nur die Karten mit dem Wert 0 zeigen kein Symbol und müssen deshalb mit 2 Eigenschaften auskommen.
Jeder Spieler erhält 4 Karten auf die Hand und 6 Holzchips, die jeweils 10 Punkte wert sind. Vom verdeckten Nachziehstapel werden 5 Karten aufgedeckt und auf dem Tisch zu einem M formiert. Damit ist eine weitere Frage, die im Zusammenhang mit M immer gestellt wird, geklärt: "Wie kommt das Spiel zu seinem Titel?". Es liegt also nicht am Mega-Spass mit Mini-Regeln, sondern die Startaufstellung ist namensgebend.
Kommt ein Spieler an die Reihe, darf er eine seiner Handkarten in die bereits bestehende Auslage einfügen. Dabei sind 2 Dinge zu beachten: das Spielfeld darf die Grösse von 6x6 Karten nicht überschreiten und die neue Karte muß mit jeder benachbarten mindestens eine Übereinstimmung haben. Das ist natürlich einfach, wenn man nur an eine Karte anlegt, schwieriger wird es schon, wenn an 2 angebaut wird und fast unmöglich ist es, für 3 oder 4 Karten einen passenden Nachbarn zu finden. Diese unterschiedlichen Schwierigkeitsgrade finden ihren Niederschlag in der Punkteregelung. Legt man nur an eine andere Karte an, gibt es dafür nichts, plaziert man die Karte jedoch neben 2 anderen, erhält man von seinem rechten Nachbarn einen Holzchip (wir erinnern uns, die sind 10 Punkte wert), bei 3 benachbarten Karten gibt es bereits 2 Holzchips und bei 4 logischerweise 3. Diese Regel gefällt mir besonders gut. Nicht nur, daß man so seinen eigenen Punktestand erhöht, nein, man ärgert auch noch den rechten Nachbarn. Schade nur, daß man selbst auch der rechte Nachbar von jemandem ist!!!
Die zweite Möglichkeit zu Punkten zu kommen, ist die Wertung von Reihen. Diese wird ausgelöst, wenn die gelegte Karte die fünfte oder sechste in einer waagrechten oder senkrechten Reihe ist und mit der benachbarten Karte 2 Übereinstimmungen hat. Nun nimmt der auslösende Spieler eine Karte aus dieser Reihe und legt sie vor sich ab, danach machen dies die Spieler reihum so lange weiter, bis in der Wertungsreihe nur noch eine Karte liegt oder bis das Entfernen die bestehende Auslage sprengen würde, d.h. die verbliebenen Karten wären nicht mehr waagrecht oder senkrecht miteinander verbunden.
Die eingesammelten Karten zählen entsprechend ihrer aufgedruckten Werte, ob diese am Schluss jedoch Plus- oder Minuspunkte sind, wird sich erst noch zeigen. Bei Spielende zählen nämlich nur die Werte der zwei punkteträchtigsten Farben positiv, die der drei anderen schlagen negativ zu Buche. Ich löse also umso lieber eine Wertung aus, wenn sie mir in meiner bevorzugten Farbe dicke Pluspunkte bringt und ich gleichzeitig meinen Mitspielern richtig ordentlich Minuspunkte reinwürgen kann. Umgekehrt kann man natürlich auch eine unliebsame Wertung verhindern, indem man das sechste Plättchen einer Reihe legt und keine 2 Übereinstimmungen zum Nachbarkärtchen bestehen.
Am Schluß werden Holzchips, Plus- und Minuspunkte miteinander verrechnet und das war es schon. Mehr muß es aber auch nicht sein. M ist ein eher ruhiges Spiel, mal von den Momenten abgesehen, wo man laut über seine bösen Mitspieler flucht. Sicher: es gibt originellere Legespiele und auch solche, bei denen es spannender zugeht, aber ich habe M in den vergangenen Monaten immer mal wieder ausgepackt und nie Schwierigkeiten gehabt Mitspieler zu finden. Und das trotz des gewöhnungsbedürftigen Äußeren.
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Legespiel von Martin Schlegel, Abacus, ca 30,- DM 2-6 Pers., ab 10 J., ca. 30-45 Min.
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