Man lernt doch nie aus. Magna Grecia liegt nicht, wie der Name vermuten läßt, in Griechenland, sondern im Süden Italiens. Dieser Landstrich, laut Spielregel äußerst fruchtbar, (was man dem über und über gelben und sehr verdorrt aussehendem Spielplan nicht unbedingt ansieht), wurde vor 2500 Jahren von griechischen Händlern besiedelt. Diese Gründungsphase dient als Hintergrundgeschichte dieser Zusammenarbeit von Michael Schacht und Leo Colovini.
Magna Grecia ist zu Beginn des Spieles noch eine recht beschauliche Gegend. Zwar gibt es bereits eine Menge Dörfer und einige wenige Orakel, aber Städte und Straßen, die dies alles miteinander verbinden, sind noch nicht vorhanden. Und genau das ist die Aufgabe der Spieler: Städte gründen, die Infrastruktur herstellen, Märkte errichten und Orakel beherrschen.
Spielanleitung
Magna Grecia verläuft in 12 Runden. Grundsätzlich gibt es für die Spieler immer 3 verschiedene Aktionsmöglichkeiten. Nur in welchem Umfang diese möglich sind, ist von Runde zu Runde verschieden und wird durch eine Aktionskarte festgelegt. 2 der 3 Möglichkeiten führt der aktive Spieler durch. Er kann Straßen bauen, oder Städte gründen und erweitern, oder er füllt seinen Vorrat an Straßen- und Städteplättchen auf. Wieviele Plättchen ein Spieler auf den Spielplan legt oder seinem Vorrat hinzufügt, ist durch markierte Zahlen auf der Aktionskarte festgelegt. Entscheidet sich ein Spieler, nur eine der drei Aktionen durchzuführen, gilt für diese Aktion die nächst höhere Zahl nach der markierten.
Das Bauen von Straßen (kostenlos) und das Legen von Stadtteilen (kostet pro Teil 1 Siegpunkt) unterliegt strengen Bauregeln, die leider nicht intuitiv erfaßbar sind. So dürfen z.B. Straßen ohne Einschränkung an eigene und fremde Städte gelegt werden, jedoch nicht an Dörfer und Orakel, die noch keinen Anschluß an eine eigen Straße haben. Da für die Bauregeln keine Übersichtsblätter für die Spieler existieren, sondern die beiliegenden Kurzspielregeln überflüssigerweise auf Vorder- und Rückseite mit dem gleichen Text bedruckt wurden, ist es immer wieder notwendig in der Regel zu blättern, um offene Fragen zu klären.
Ziel des Spieles ist es möglichst viele Siegpunkte zu erlangen. Diese gibt es jedoch nur indirekt durch die Bautätigkeiten. Denn Punkte werden nur für Märkte und Orakel vergeben. Einen Markt gibt es kostenlos und automatisch für den Gründer einer Stadt. Am Ende eines Zuges darf man zusätzlich einen weiteren Markt in einer fremden Stadt oder einem Dorf errichten, dafür ist jedoch eine Gebühr in Form von Siegpunkten zu entrichten. Die Höhe der Bezahlung richtet sich nach der Größe der Stadt und den bereits vorhandenen gegnerischen Märkten. Punkte bei Spielende (oder Verkauf eines Marktes) gibt es allerdings nur für aktive Märkte, d.h. die Stadt, in der ein Markt steht, ist entweder eine eigene Stadt oder durch eine Straße mit einer eigenen Stadt verbunden. Dabei spielt es keine Rolle, wem diese Straße gehört.
Bei Orakeln ist es dagegen notwendig, daß dieses durch eine eigene Straße mit einer eigenen Stadt verbunden ist. Für diese Stadt wiederum werden alle direkt damit verbundenen Städte und Dörfer (egal durch wessen Straßen) gezählt. Die Stadt, die hier die höchste Anzahl erreicht, beherrscht das Orakel, was bei Spielende 4 Punkte wert ist.
Fazit:
Alles klar oder verwirrt? Mit Sicherheit letzteres. Die vielen kleinen Details, was erlaubt ist und was, wann Punkte bringt, schreien nach einer Kurzübersicht. Man agiert bei den ersten Partien immer wieder ratlos, da man völlig aus dem Auge verliert, wie der Sieg planbar ist. Die Spielregel hilft beim Einstieg auch nicht weiter, da sie zwar ausführlich und mit vielen Beispielen versehen ist, ihr Aufbau und ihre Übersichtlichkeit jedoch zu wünschen übrig läßt. Und da Magna Grecia kein Spiel ist, daß man alle paar Tage mal auspackt, kämpft man sich jedes Mal von neuem über 15 Seiten. Das ist wirklich schade, denn hat man erst mal erfaßt, was ein erfolgversprechendes Vorgehen ist, macht Magna Grecia all jenen Spaß, die langfristigeres, stilles Planen mögen. Und zu planen gibt es viel: Soll man pro Runde einen Markt errichten, was auf Dauer sehr teuer ist, oder doch lieber in erster Linie die Beherrschung der Orakel anstreben? Ist es notwendig, sofort Straßen zu bauen und Städte zu errichten, auch wenn dadurch die Vorräte an Plättchen zur Neige gehen, oder soll man doch erstmal für Nachschub sorgen, was aber die Gefahr in sich trägt, daß die Konkurrenz die eigenen Pläne durchkreuzt?
Magna Grecia trägt also genügend Potential für Planer und Denker in sich, um über längere Zeit interessant zu bleiben. Schade eben nur, daß die Regel den Einstieg so schwer macht.
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Gesellschaftsspiel von Michael Schacht und Leo Colovini, Clementoni, ca. EUR 20,- 2-4 Pers., ab 12 J., ca. 75 Min.



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