Gäbe es einen Preis für die skurrilste Einführungsgeschichte in ein Spiel, König der Maulwürfel hätte die besten Aussichten auf den Sieg. Erzählt wird von den Bewohnern des Planeten Rollex, denen reife Bratwürfel in die weit aufgerissenen Mäuler fliegen und die davon so dick werden, daß sie ihre Behausungen nicht mehr verlassen können. Kurzerhand erfinden sie eine höchst seltsame Art der Fortbewegung. Sie spucken Würfel aus und halten sich daran fest, woraufhin sie mitsamt Behausung fortgezogen werden. Nachdem ich zunächst vermutete, die Geschichte sei das Ergebnis einer durchzechten Nacht, finde ich sie inzwischen richtig witzig und sehr passend. Schließlich stimmt sie auf ein ungewöhnliches Spiel ein.
Spielanleitung
König der Maulwürfel ist ein Wettrennen, bei dem man sich den Parcours auf einem möglichst glatten Untergrund selbst aufbaut. Start und Ziel ist so eine Art Limbo-Stab, 4 schwarze Hindernisse stecken den weiteren Weg ab. Spielfiguren sind die Maulwürfel. Diese bestehen aus einer Holzrampe, einem Pappgesicht mit weit geöffnetem Mund und einem Hut, der diesen Mund zunächst einmal verschließt (???!). Wer an der Reihe ist, legt seinen Würfel hinter den Hut, zieht diesen nach oben und - schwupps - saust der Würfel die Rampe hinab. Wenn man Glück hat, landet der Würfel genau dort, wo man ihn haben will. Hat man Pech, fällt er vom Tisch oder stürzt rückwärts von der Rampe, was einem einmaligen Aussetzen gleich kommt, oder er rollt in eine völlig unbeabsichtigte Richtung. Bei einem gültigen Zug zieht die Figur hinter dem Würfel her und wird so aufgestellt, daß dieser berührt wird. Beachten muß man bereits jetzt, in welche Richtung es im kommenden Zug weitergehen soll, denn dann ist eine neue Ausrichtung nicht erlaubt. Da ist es besonders ärgerlich, wenn sich eine andere Figur im Laufe der Runde direkt vor dem eigenen Maulwürfel postiert.
Wären das bereits alle Regeln, hätte der Startspieler einen kaum einzuholenden Vorteil, da er den Nachzüglern allzu oft den optimalen Weg versperrte. Deshalb hat sich Autor Günter Burkhardt ein paar ausgleichende Besonderheiten einfallen lassen. Das Material, mit dem man spielen muß, ist für jeden Teilnehmer ein anderes. Zunächst einmal sind die Rampen unterschiedlich steil und die Blocker, an denen man die Würfel abprallen lassen kann, haben verschiedene Größen. Wichtigster und entscheidendster Unterschied sind allerdings die Würfel. Mit dem Vierseiter wird man eher bescheidene Strecken zurücklegen, er eignet sich jedoch besonders gut für engkurvige Strecken, der W6-er und W10-er versprechen gesundes Mittelmaß, der W12-er, sozusagen der Ferrari unter den Würfeln, ist ideal auf langen Geraden und dort kaum zu schlagen.
In der Grundversion für Kinder ab 5 Jahren erhält jeder Spieler das Material in einer Farbe. Dadurch ist, zumindest auf dem Papier, eine gerechte Aufteilung vorgenommen, bei der jeder ähnliche Chancen hat. Richtig interessant wird König der Maulwürfel aber erst in der Profiversion. Hier stellen sich die Teilnehmer in einer Eröffnungsrunde ihre Maulwürfler (Rampe, Hut, Würfel) nebst Zusatzmaterial (Blocker, Anzahl der Aktionskarten) selbst zusammen. Auch die Regeln werden geringfügig erweitert. Erstens gelten jetzt die Zahlen auf den Hüten, sie geben an, welche Würfelergebnisse für einen gültigen Zug erzielt werden müssen, und zweitens kann man die Gegner, mit den nun ins Spiel integrierten Aktionskarten, trefflich ärgern und sich selbst erhebliche Vorteile verschaffen.
Fazit:
Ich lernte König der Maulwürfel in der Grundversion kennen und fand es, ehrlich gesagt, ziemlich langweilig. Hätte mein 9-jähriger Sohn das Spiel nicht immer wieder mit seinen Freunden gespielt, es hätte lange ungenutzt im Regal gestanden. Dann raffte ich mich endlich auf die Profiversion zu testen und war positiv überrascht. Die Eröffnungsrunde, bei der sich die Spieler abwechselnd die Teile ihres Maulwürfels aus der Tischmitte holen, bringt erste Entscheidungsnöte (ist der W12-er wirklich spielentscheidender als die steilste Rampe oder nehme ich mir zuerst den Hut, der alle Würfelergebnisse erlaubt?). Auch die Rennen gestalten sich durch die zusätzlichen Regeln abwechslungsreicher. All diejenigen, die Aktionsspiele mögen, erhalten mit (der Profiversion von) König der Maulwürfel einen höchst originellen weiteren Vertreter dieses Genres. Leider wird ihnen der Spaß durch das Material ein wenig getrübt. Gerade in der Profiversion, wo die einzelnen Pappteile ständig neu auf die Rampen gesteckt werden, nutzen sich diese an den Rändern sehr schnell ab und fasern aus. Bei einem Preis um die 30 € darf man eigentlich besseres erwarten.
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Gesellschaftsspiel von Günter Burkhardt, Zoch, ca. EUR 30,- 2-4 Pers., ab 6 J., ca. 30 Min.
 Der Parcour kann beliebig gesetzt werden.
 In der absoluten Profiversion könnte man natürlich versuchen, seinen Würfel über die Startstange springen zu lassen ;o))
 Rampe in Position.
 Mit dem Blocker kann man versuchen, um die Kurve zu "fahren".
 Die Aktionskarten der Profiversion bringen nochmals richtig Leben in das Spiel.
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