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Medina



Spielspaß

5

Material

5

Spielregel

4

Taktik

5

Glück

2

Risiko

4
Viel Holzmaterial! - Wenn das schon ein Merkmal für die Spielqualität sein soll, dann macht dieser "Banner" auf der Spielschachtel Sinn. Da ich aber denke, dass die meisten eher auf die Spielidee achten und vielleicht darauf, wie dieses Holzmaterial gestaltet wurde, ist dieses "Viel Holzmaterial!" ziemlich nichtssagend. Zumal man dabei eher an Kinderspielzeug denkt als an eines der meiner Meinung nach besten Spiele des Jahrgangs.

Spielanleitung


Medina, die Stadt der Wüstensöhne, besteht nur noch aus den Ecktürmen ihrer einst prächtigen Mauern. Die Aufgabe der Spieler besteht darin, wie könnte es anders sein, sie wieder aufzubauen.

Der Spielplan besteht aus der Grundfläche der Stadt, 11 mal 16 Felder groß, umgeben von den Feldern, auf denen die Stadtmauern errichtet werden sollen. Nur die vier Ecktürme der Mauern stehen zu Beginn des Spiels.
Jeder Spieler erhält Gebäude aller vier Farben, Ziegenställe, Mauerteile und Spielfiguren (=Menschen). Diese Bausteine verbirgt er hinter einem Sichtschirm, so bekommen die anderen im Laufe des Spiels nicht so leicht mit, wer wie viel schon verbaut hat. Jeder Spieler wählt nun eine Dachfarbe und erhält die vier entsprechenden Dächer.

Wer an der Reihe ist, muß zwei beliebige Teile verbauen, also regelgemäß auf den Plan stellen.

Die Spieler bauen gemeinsam Paläste (ein Palast besteht aus beliebig vielen Gebäuden einer Farbe), eine Menschenschlange durch Medina und die Mauern. An einem Palast bauen sie alle solange, bis ein Spieler ihn in Besitz nimmt und er ein Dach seiner Farbe daraufstellt. Dann darf an diesen Palast kein Gebäude mehr angebaut werden. Erst jetzt können die Spieler einen zweiten Palast derselben Farbe bauen. Baut nämlich ein Spieler ein Gebäude, so muß er an eventuell bereits vorhandene Gebäude derselben Farbe anbauen, es sei denn, der Platz reicht dafür nicht mehr aus oder der Palast, bestehend aus den Gebäuden dieser Farbe, wurde bereits in Besitz genommen.

Wer einen Palast einer Farbe besitzt, darf keinen anderen dieser Farbe mehr in Besitz nehmen, d.h. jeder Spieler bekommt im Laufe des Spiels 4 Paläste (schwarz, grau, orange, braun). Außerdem darf er seinen Palast nur noch mit Ziegenställen vergrößern, die aber alle direkt an Gebäude des Palastes angrenzen müssen. Pro Gebäude und Ziegenstall seiner Paläste bekommt man bei der Endabrechnung einen Punkt, zudem kann man versuchen, mit einem Ziegenstall den Palast an eine Mauer oder an die Menschenkette grenzen zu lassen, was wiederum Punkte gibt. Und Zusatzpunkte gibt es auch für den größten Palast einer Farbe.

Die Mauern werden von den vier Ecktürmen aus gebaut. Wieder gilt, Mauerteile dürfen nur an bereits vorhandene Mauern grenzen. Außerdem muß auf jeder Spielplanseite eine Lücke zwischen den Mauern bestehen bleiben, Mauern mit verschiedenen Ecktürmen können nicht zusammengeschlossen werden. So gibt es am Schluß also vier getrennte Mauern. Grenzen Paläste an die Mauern, so erhält man bei der Schlussabrechnung einen Punkt pro angrenzendem Mauerteil. Außerdem ist der Zeitpunkt wichtig, an dem die Berührung zwischen Mauer und Palast herbeigeführt wird. Wessen Palast nämlich als letzter Kontakt mit der Mauer aufnimmt, bekommt nochmals Extrapunkte.

Die Menschenschlange beginnt mit einem bereits vorhandenen Menschen. Wer nun einen Menschen "baut", muß ihn an einen bereits vorhandenen Menschen anschließen, so dass eine Menschenschlange entsteht. Kann an deren beiden Enden nicht mehr angebaut werden, so darf man eine neue beginnen. Wessen Paläste die Menschenschlange berühren, bekommt hierfür einen Punkt pro tangierten Menschen.

Wenn alle Spieler ihre Teile verbaut haben oder wenn in der ganzen Stadt nicht mehr gebaut werden kann, endet das Spiel und es wird abgerechnet.

Wer Medina das erste Mal spielt, wird vielleicht am Schluß denken, dass er eine Menge falsch gemacht hat und das nächste Mal besser spielen wird. Den ersten Teil dieses Gedankens behält er normalerweise bei jeder Medinarunde bei - sofern er nicht gewinnt -,das mit dem Beim-nächsten-Mal-besser-spielen wird sich aber bald als Illusion erweisen. Egal, was man macht, man stellt seine Entscheidungen immer in Frage, v.a. die Entscheidung, wann man einen Palast in Besitz nimmt. Darin liegt aber auch ein Teil des Spielreizes.
Ein anderer Teil liegt darin, den anderen das Leben schwer zu machen, in erster Linie dann, wenn man für sich selbst nicht mehr viel machen kann. Da hat dann derjenige zu leiden, der noch Paläste in Besitz nehmen muß. Auf der anderen Seite kann sich dieser so geschickt anstellen, dass die anderen den letzten freien Palast, "seinen" Palast noch vergrößern müssen, weil sie, soweit es geht, alle ihre Teile verbauen müssen.

Dem Trend, anspruchsvolle Spiele mit einfachen Regeln zu verbinden, folgt auch Stefan Dorra mit Medina. Und es gelingt ihm auch wunderbar. Wunderbar ist auch, zuzusehen, wie die Stadt wächst und am Schluß ein wirklich schönes Bild abgibt. Alles in allem also ein mehr als gelungenes Spiel, das leider von der Jury "Spiel des Jahres" übergangen wurde. Naja, dafür heimste es den zweiten Platz des Deutschen Spielepreises ein, und dessen Preisträger, Carcassonne, ist ja auch eine starke Konkurrenz, wenn ich auch Medina lieber spiele. Aber mit diesen zwei Spielen hat der Hans im Glück-Verlag wieder so manches Spielerherz beglückt. Glückwunsch!

Medina
Brettspiel von Stefan Dorra, Hans im Glück, ca. DM 50,-
Ab 10 Jahre, 3-4 Spieler, ca. 60 Minuten

 
 
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