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Null Bock!



Spielspaß

5

Material

4

Spielregel

4

Glück

4

Planung

4

Timing

4

Für alle ungeduldigen geht's hier direkt zum Fazit!

Henning Poehl hat es offensichtlich mit der Fortpflanzung der Tiere. Nachdem wir im vergangenen Jahr in Auweier das Brutverhalten der gemeinen Heckenbraunelle näher beleuchteten, schlüpfen wir diesmal in die Rolle von Hirschböcken und Hirschkühen zu Zeiten der Brunft.

Spielanleitung


Auf 30 rosa Karten finden wir die liebreizenden Kühe in den Werten 1 bis 9, 11, 13 und 15. Für jeden Geschmack müßte eigentlich etwas darunter sein: Auf der 6 posiert eine verführerische Blondine im knappen weißen Kleid (an wen die mich bloß erinnert?), die 7 ziert eine fesche Dame im zünftigen Dirndl und die 8 zeigt eine toughe Geschäftsfrau im Anzug. Die Herren der Schöpfung in den Werten 2 bis 10 und 0, selbstverständlich auf blauem Hintergrund zu finden, machen die zweite Hälfte des Kartenstapels aus. Vom jugendlichen Skater, über einen Tänzer im weißen Anzug, bis hin zum stockschwingenden Opa, ist auch hier die komplette Bandbreite menschlichen, äh - Verzeihung - tierischen Lebens vertreten.

Männlein und Weiblein werden, wie es sich gehört, getrennt voneinander gemischt und gleichmäßig an die Spieler verteilt. Alle Spieler plazieren nun eine beliebige Karte (egal ob männlich oder weiblich) direkt vor sich im sogenannten Abseits. Der Startspieler legt zusätzlich eine Hirschkuh in die Arena (=Tischmitte).

Ziel des Spieles ist es, mit seinen Böcken die punkteträchtigsten Hirschkühe zu stechen (ich konnte es mir einfach nicht verkneifen, das so zu schreiben). Anders ausgedrückt, nur Weibchen bringen bei Spielende Punkte, Männchen zählen nichts. Hirschkühe kann man auf 2 Arten erobern. Entweder man holt sich als Platzhirsch einen ganzen Harem aus der Arena oder man gibt sich bescheidener und begnügt sich als Beihirsch mit nur einem Weibchen aus dem Abseits.

Wer an der Reihe ist, muß, falls er kann, eine Karte ausspielen. Im Abseits erobert man eine Kuh, indem man einen höher- oder gleichwertigen Bock auf ein ausliegendes Weibchen spielt. Die Kuh erhält man als Stich, der Bock bleibt zunächst im Abseits. Legt man ein Weibchen beliebigen Wertes auf diesen Bock, darf man ihn auf die Hand nehmen. Ein Männchen ist also evtl. mehrmals und von verschiedenen Spielern einsetzbar.

In die Arena können zunächst nur Weibchen gelegt werden. Dabei muß, von wenigen Ausnahmen abgesehen, eine später gelegte Karte immer wertvoller sein als die vorhergehende. Wer diesen Harem erobern will, spielt auf den Stapel einen beliebigen Bock. Im Gegensatz zum Abseits sind die Kühe damit jedoch nicht erobert. Die nachfolgenden Spieler können mit einem höherwertigen Männchen in den Kampf eingreifen. Erst, wenn der Bock eines Spielers auch dann noch oben auf dem Stapel liegt, wenn er erneut an der Reihe ist, darf er den Harem zu seinen Stichen legen. Die Böcke aus der Arena werden aus dem Spiel genommen.
Damit die Kämpfe in der Arena nicht sofort entschieden sind, wenn ein Spieler ein Männchen mit dem höchsten Wert legt, gibt es den titelgebenden Null-Bock. Dieser kann jeden beliebigen anderen Wert schlagen, kann aber wiederum auch von jedem anderen übertrumpft werden.

Das Spiel endet, wenn keine Kuh mehr in die Arena gelegt werden kann, oder ein Spieler keine Karten mehr hat. Von der Summe der eroberten Stiche werden Kühe, die ein Spieler noch auf der Hand hat, abgezogen. Gerade bei den ersten Partien, kommt es häufiger vor, daß man vom Spielende völlig überrascht wird, da man selbst noch einige Karten auf der Hand hat und nicht darauf achtet, wie es bei den Gegnern aussieht. Mit zunehmender Erfahrung werden die Weibchen aber rechtzeitig unters Volk gebracht und auch auf den Werten 11, 13 und 15, die nur in die Arena gelegt werden dürfen, bleibt man nicht mehr sitzen.

Fazit:
Eigentlich war ich der Meinung, daß es bei Stichspielen nicht mehr möglich ist, noch neue Varianten zu entwickeln. Aber regelmäßig erscheinen in diesem Bereich Spiele, die mit gelungenen Ideen aufwarten und mich vom Gegenteil überzeugen. So auch Null Bock. Äußerst originell finde ich, daß man bereits ausgespielte Karten wieder auf die Hand nehmen kann, um sie erneut zu verwenden. Auch läßt die Möglichkeit, Kühe entweder einzeln im Abseits, oder als Harem in der Arena zu stechen, verschiedene Spielweisen zu. Auf den ersten Blick wird kaum jemand gewinnen, der kein Harem erobert hat. Verzetteln sich jedoch mehrere Spieler im Ringen um den lukrativen Kartenstapel aus der Arena, kann es durchaus einen lachenden Dritten geben, der sich mit den einzelnen Kühen aus dem Abseits begnügt.

Gestalterisch ist Null Bock ein Riesenschritt nach vorne. In seinem Premierenprogramm vom vergangenen Jahr wählte Henning Pohl teilweise abenteuerliche Farbkombinationen und gewöhnungsbedürftige Zeichnungen. Dem ist diesmal nicht der Fall und so ist ein Spiel herausgekommen, dem man kaum anmerkt, daß es aus einem Kleinstverlag kommt.
Wer also Lust hat auf ein weiteres, sehr originelles Stichspiel, sollte hier zugreifen.

Null Bock!

Kartenspiel

von Henning Poehl, Sphinx-Spiele, ca. EUR 8,-
3-6 Pers., ab 10 J., ca. 20 Min.

Null Bock!
Hirschkühe und Böcke

Null Bock!
Der Harem bringt viel Punkte, ...

Null Bock!
...ist aber heiss umkämpft!
 
 
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