Spielekritiken   Spieleauszeichnungen   Spielecharts   Berichte
A-F

G-N

O-Z





 




Richelieu



5

Spielspaß

5

Material

4

Spielregel

4

Überblick

6

Planung

6

Glück

2
Kardinal & König ist nach wie vor eines meiner liebsten Spiele, wenn es um Mehrheitsbildungen in geographischen Gebieten geht. Es ist einfach zu verstehen, hat trotzdem Tiefgang und ein raffiniertes Wertungssystem. Leider kann man es nicht zu zweit spielen. Dankenswerterweise hat Autor Michael Schacht für seinen kleinen Eigenverlag "Spiele aus Timbuktu" eine Kartenspiel für 2 Personen entwickelt, das auf Kardinal & König basiert. Nun hat sich mit Ravensburger auch ein großer Verlag des Spieles angenommen und in der neuen Reihe Fun for 2 veröffentlicht. Der wohl berühmteste Kardinal aller Zeiten, Richelieu, ist jetzt Namensgeber, aus dem König wurde eine Königin, ansonsten hat sich kaum etwas verändert.

Spielanleitung


Auf den 48, auf dickem Karton gedruckten, Karten, ist jeweils eine von 9 Regionen Frankreichs abgebildet, um diese kämpfen die beiden Kontrahenten. Zur besseren Unterscheidung ist jede Region in einer anderen Farbe gehalten (wobei die Farben sehr blaß geraten sind und dem Spiel eine etwas fade Ausstrahlung geben). Jede Karte zeigt ein oder zwei Wappen der Region. Wie oft ein Wappen insgesamt im Spiel ist, wird durch eine Zahl angezeigt. Zwischen 5 und 10 liegt hier die Bandbreite. Außerdem gibt es noch jeweils neunmal als Zeichen der militärischen, kirchlichen und politischen Macht, verteilt auf Karten verschiedener Regionen, die Symbole Schwert, Kreuz und Turm.

Die 48 gut gemischten Karten, (was bei der Dicke des Kartons gar nicht so einfach ist), werden offen in einem Raster von 4x12 Karten ausgelegt. Wer an der Reihe ist, darf eine oder zwei Karten von den beiden seitlichen Rändern wegnehmen. Bis kurz vor Schluß des Spieles hat man also die Auswahl zwischen 8 Karten. Will man 2 Karten nehmen, müssen diese die selbe Farbe haben. Außerdem dürfen dann maximal 2 Wappen auf den Karten abgebildet sein. Die Symbole Turm, Kreuz und Schwert müssen hierbei nicht beachtet werden.
Die aufgenommenen Karten werden offen und nach Regionen sortiert vor den Spielern ausgelegt.

Am Ende eines Zuges darf der aktive Spieler einen seiner drei Besitzmarker auf eine beliebige, freie Karte der Auslage legen. Er sperrt sie damit für den Gegner. Will dieser die Karte trotzdem aufnehmen, muß er einen seiner Besitzmarker abgeben. Wer auf diese Weise zu früh alle 3 Marker verliert, schmälert die eigenen Auswahlmöglichkeiten natürlich drastisch, da alle mit einem fremden Besitzmarker gekennzeichneten Karten von nun an unerreichbar sind.

Das Glück spielt bei der bisherigen Spielbeschreibung noch keine Rolle. Dies kommt in Form von 14 runden Plättchen ins Spiel, von denen 8 nach einem vorgegebenen Muster verdeckt auf die Karten verteilt werden. Die Plättchen zeigen jeweils eines der 9 Wappen oder eines der 3 anderen Symbole und werden mit den Karten, auf denen sie liegen, aufgenommen und verdeckt abgelegt. Sie zählen bei der Wertung für das jeweilige Wappen mit, sind aber für den Gegner ein Unsicherheitsfaktor, da ihm ja nicht bekannt ist, welche Symbole sich auf den Rückseiten der Plättchen befinden.
Zwei der Plättchen bieten die Möglichkeit, einen abgegebenen Besitzmarker zurück ins Spiel zu holen.

Nach Aufnahme der letzten Karte kommt es zur Wertung. Zunächst werden die runden Plättchen aufgedeckt und den jeweiligen Gebieten zugeordnet. Dann wird für jede Region die Anzahl der Wappen gezählt, nur der mit den meisten Wappen erhält diese Anzahl als Punkte gutgeschrieben. Der Gegner geht leer aus. Abschließend verfährt man genauso für die Symbole Schwert, Kreuz und Turm und der Sieger steht fest. Durch das Wertungssystem ist es für die beiden Kontrahenten nicht einfach zu entscheiden, welche Karten sie aufnehmen. Auf der einen Seite ist man natürlich geneigt, in einer Region einen möglichst großen Vorsprung herauszuarbeiten, auf der anderen Seite muß man dies beim Gegner verhindern. Hinzu kommt, daß Regionen und Symbole, die ein Spieler überhaupt nicht besitzt, für jeweils 5 Punkte Abzug sorgen. Beim Aufnehmen der Karten ist also ein ständiges Abwägen notwendig, welche Karte letztlich den größeren Nutzen verspricht.

Fazit:
Richelieu ist ein Spiel, bei dem für beide Spieler, mit Ausnahme der verdeckten runden Plättchen, alle Informationen offen ersichtlich sind. Es ist von daher unabdingbar, sich einen umfassenden Überblick zu verschaffen, um eigene Möglichkeiten zu erkennen und gegnerische zu erschweren oder zu vereiteln. Wer am Ende gewinnt, hat dies fast ausschließlich durch sein Können erreicht. Es liegt in der Natur der Sache, dass Richelieu daher ein eher trockenes, sehr ruhiges Spiel ist. Das ist gewiß nicht jedermanns Sache, aber für Planer und Denker ist Richelieu ein echter Leckerbissen.

Richelieu

Kartenspiel

von Michael Schacht, Ravensburger, ca. EUR 11,-
2 Pers., ab 12 J., ca. 45 Min.

Auszeichnungen:
Spiel des Jahres: Auswahlliste (2003)

Richelieu
So beginnt der Machtkampf.

Richelieu
Die begehrten Chips sind am Anfang unerreichbar.

Richelieu
Ein Besitzmarker sperrt eine Karte für den Gegner.

Richelieu
 
 
Impressum   Haftung   Links