Der wohl unvergeßlichste Moment im ersten Teil der "Herr der Ringe - Trilogie" ist das Aufeinandertreffen von Gandalf und Balrog in den unterirdischen Gewölben von Moira. Am Ende des dramatischen Kampfes, der auf einer schmalen, brüchigen Brücke stattfindet, stürzen sowohl das Wesen aus Feuer und Rauch, als auch der weise Zauberer in die Tiefe.
Spielanleitung
Bei der spielerischen Umsetzung von Peter Neugebauer ist das Ende natürlich völlig offen. Ausgetragen wird der Kampf mittels je eines Kartensatzes für beide Spieler. Der von John Howe grandios gestaltete Spielplan, der den feurigen Abgrund aus der Vogelperspektive zeigt, wird von einer Brücke aus Pappe überspannt. Diese besteht auf jeder Seite aus 4 Stufen und einer durchgehenden fünften Ebene, welche es in 3 Duellen und dem anschließenden Finale zu erklimmen gilt. Für jedes Duell stehen den Spielern je 9 Karten zur Verfügung. Am linken und rechten Rand der Karten sind 0 bis 4 Stärkepunkte in 4 untereinander liegenden Feldern abgebildet. Der linke Rand dient der Verteidigung, der rechte Rand dem Angriff. Die beiden Seiten zeigen dabei meistens unterschiedlich viele Stärkepunkte in differierenden Anordnungen.
Startspieler des ersten Duells ist Gandalf. Er legt eine seiner Karten unter dem Spielplan offen aus. Der Balrog-Spieler erwidert den Angriff, indem er eine Karte direkt neben der des Gandalf-Spielers plaziert. Nun werden die Stärkepunkte der sich berührenden Kartenseiten Reihe für Reihe miteinander verglichen. Sind auf beiden Karten in einer Reihe Stärkepunkte abgebildet, passiert nichts. Ist dies jedoch nur bei einem der Spieler der Fall, so erhält der Gegner auf der sogenannten Energieleiste des Spielplans einen Minuspunkt. Auf einigen Karten befinden sich zusätzlich noch Texte, die anschließend zur Anwendung kommen. Diese Aktionen, im richtigen Moment eingesetzt, sind sehr stark und beeinflussen den Verlauf eines Duelles erheblich. Auf diese Weise kann man den Gegner z.B. zwingen, sich auf einen Angriff selbst zu verteidigen oder den Rest des Kampfes mit offenen Karten zu spielen.
Abwechselnd legen die beiden Kontrahenten Karte an Karte bis entweder einer der beiden Spieler auf der Energieleiste 10 oder mehr Minuspunkte erhalten, oder jeder 6 Karten ausgespielt hat. Der Spieler, der das Duell gewonnen hat, darf je nachdem, wie groß der Abstand zum Gegner ist, 1 bis 3 Stufen auf der Brücke nach oben steigen. Erreicht ein Spieler die oberste Ebene, ist er Sieger des Schlagabtausches und das Spiel endet sofort. In der Regel sind für den Spielsieg jedoch 3 Duelle und das abschließende Finale notwendig.
In den Duellen werden von den 9 Handkarten nur 6 ausgespielt. Die übrigen 3 werden fürs Finale zur Seite gelegt. Das Dilemma, das sich hier auftut, ist klar. Kommen in den Duellen nur die 6 stärksten Karten zum Einsatz, wird das Finale mit den miesesten Karten bestritten. Hebt man sich die stärksten Karten auf, kann es sein, daß man in den einzelnen Duellen vernichtend geschlagen wird und das Spiel vorzeitig endet.
Fazit:
Eigentlich war ich der Meinung, daß es inzwischen mehr als genug "Herr der Ringe -Spiele" am Markt gibt. Aber beim Anblick der dreidimensionalen Brücke war mein Interesse für Das Duell dann doch sofort geweckt. Leider hat ausgerechnet die Brücke einen kleinen Schönheitsfehler. Die obere Ebene läßt sich nicht richtig befestigen und verrutscht immer wieder. Da diese Stufe aber erst beim Spielsieg betreten wird, ist das ein zu vernachlässigender Mangel. Ärgerlich ist dagegen, daß dem Spiel keine Übersichtskarte beiliegt, die dokumentiert, welcher Abstand auf der Energieleiste beim Sieg eines Duells zu welchen Schritten auf der Brücke führt. So ist immer das umständliche Blättern in der Regel notwendig.
Nichts auszusetzen gibt es am Spiel. Eine langfristige Planung ist zwar kaum möglich, vielmehr reagiert man meist unmittelbar auf die vom Gegner gespielte Karte, dennoch sind verschiedene Strategien denkbar. Eine Möglichkeit ist, bereits in den Duellen die besten Karten auszuspielen, in der Hoffnung einen genügend großen Punktvorsprung herauszuholen, der im Finale nicht mehr eingeholt werden kann. Der andere Weg ist die genau entgegengesetzte Taktik, aber meist wird man wohl eine Mischung aus beiden wählen. Was das Spiel weiter sehr interessant macht, ist seine Asymmetrie. Beide Seiten besitzen unterschiedliche Aktionskarten. Gandalf hat außerdem eine Aktionskarte mehr als sein Gegenpart, Balrog besitzt zum Ausgleich zusätzliche Stärkepunkte. Ist diese unterschiedliche Ausgangssituation den Spielern bekannt und kennen beide die möglichen Aktionskarten des Gegners, kommt es zu einem spannenden Schlagabtausch, der meist erst im Finale entschieden wird. In den ersten Partien war im übrigen ein deutliches Übergewicht an Balrog Siegen zu erkennen, doch nach inzwischen über 20 Spielen läßt sich feststellen, daß mit zunehmender Erfahrung Gandalf die gleichen Chancen auf einen Sieg hat wie Balrog.
(Dirk Grundmann, 23.04.2003)
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Gesellschaftsspiel von Peter Neugebauer, Kosmos, ca. EUR 18,- 2 Pers., ab 10 J., ca. 30-40 Min.
Auszeichnungen: à la carte 2003: 10. Platz
 Die wacklige Brücke über der glühenden Lava.
 Gandalf greift...
 ...den Balrog an.
 Bei diesem Kräftemessen verlieren beide jeweils einen Punkt.
 Die Illustrationen sind mal wieder grandios.
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