Das Land Saga (nein, nicht Sagaland - das ist eine andere Geschichte und ein anderes Spiel) befindet sich im Krieg. Die Herrscherin wurde vertrieben und in den 6 Gebieten des Landes wird seitdem erbittert um die Vorherrschaft gekämpft. Jeder Spieler hat hierzu einen Satz Ritterkarten auf der Hand, mit denen er sich an die Eroberung von Wald-, Burgen-, Seen-, Schatten- und Kornland macht. Die Länder sind auf Karten abgebildet und überwiegend in einer Farbe gehalten, das Waldland also beispielsweise in grün. Ein Verteidigungsteam, bestehend aus zwei verschiedenfarbigen Rittern, wobei der erste zwingend in der Farbe des jeweiligen Landes sein muß, liegt bereits bei den Ländern. Diese gilt es nun zu vertreiben, will man die Herrschaft in einem Gebiet erobern.
Spielanleitung
Wer an der Reihe ist, legt einen Ritter vor sich aus. Mit der Farbe dieser Karte legt der Spieler fest, welches Land er angreifen will. Ein grüner Ritter hat es also auf das Waldland abgesehen. In späteren Runden werden zur ersten Karte weitere Karten gelegt, wobei innerhalb eines Angriffstrupps nur Ritter verschiedener Farbe teilnehmen dürfen. Anstatt eine Verstärkung eines bereits begonnenen Teams vorzunehmen, können ebenso weitere Angriffstrupps begonnen werden, wobei auch hier die Farbe des ersten Ritters das angegriffene Land bestimmt.
Die Ritter haben eine Kampfkraft von 1 bis 4 Punkten. Überschreitet die Summe aller Kampfwerte eines Angriffstrupps die des Verteidigungsteams eines Landes, geht dieses Land sofort an den Angreifer über. Die verteidigenden Ritter, die bereits bei Spielbeginn auslagen, werden zur Seite gelegt, gehörte das Land bereits einem der Spieler, muß dieser seine Ritter wieder zurück auf die Hand nehmen. Der neue Herrscher legt seinen Angriffstrupp unter die Länderkarte, dieser ist nun das neue Verteidigungsteam, dem keine weiteren Ritterkarten hinzugefügt werden dürfen. Erst wenn es einem anderen Spieler gelingt, den Wert dieses Teams zu übertrumpfen, wechselt das Land wieder seinen Besitzer.
Jeder Spieler hat in der Summe Ritter mit den gleichen Kampfwerten, in der Farbzusammenstellung ist jedoch jeder Kartensatz anders. Da man pro Angriffstrupp jede Farbe nur einmal einsetzen darf, ist es deshalb manchmal sinnvoll und nötig einen fremden Ritter anzuwerben. Hierzu dienen die Ritter, die zu Beginn des Spieles bei den Ländern liegen und die nach der Eroberung dieses Landes offen auf die Seite gelegt werden. Hier darf sich ein jeder bedienen, aber natürlich nicht kostenlos. Ein fremder Ritter muß in Siegespunkten entlohnt werden, und zwar entsprechend seines Kampfwertes.
Wie kommt man aber überhaupt an Siegpunkte? Während einer Partie erhält jeder Spieler, immer wenn er an der Reihe ist, für jedes Land in seinem Besitz einen Punkt, nur das Goldland ist wertvoller und deshalb sehr begehrt und umkämpft. Bei Spielende, (das dann eintritt, wenn ein Spieler seine letzte Handkarte ausspielt) werden zu diesen Punkten noch die Kampfwerte der Ritter hinzugezählt, die ein erobertes Land verteidigen. Ritter in Angriffstrupps ohne Land sind null Punkte wert, die Kampfwerte der Handkarten zählen als Minuspunkte.
Die erreichte Punktzahl kann sich allerdings noch durch die speziellen Eigenschaften, die jedes Land besitzt, verändern. Hiervon gibt es zwei verschiedene Arten. Manche Eigenschaften sind während einer Partie einsetzbar (z. B. bei Eroberung des roten Landes darf man einen Ritter kostenlos anwerben), andere gelten erst bei Spielende (z.B. die Handkarten ergeben für den Besitzer des grünen Landes keine Minuspunkte; oder die Ritterkarten des gelben Landes zählen unabhängig von ihrem tatsächlichen Wert 15 Punkte).
Fazit:
Nach der Lektüre der Spielregel erwartet man von Saga nichts besonderes. Alle Elemente (die besonderen Eigenschaften der Länder, das Erobern durch Mehrheiten) sind schon mal dagewesen und werden vermutlich ein bekanntes Spielgefühl erzeugen. Also beginnt man ohne große Erwartung die erste Partie, stellt einen Angriffstrupp zusammen, erobert ein Land, verliert es wieder, beginnt einen neuen Angriffstrupp und wird schließlich dadurch, dass man nicht darauf geachtet hat, wie viele Karten die Mitspieler noch auf der Hand haben, vom Spielende überrascht. Eigentlich war man doch kurz davor das Kornland zu erobern, außerdem hat man noch eine ganze Menge Karten auf der Hand und zu allem Unglück ist gerade ein fremder Ritter angeworben worden, was eine stattliche Anzahl an Minuspunkten mit sich bringt und die Chance auf den Sieg völlig vereitelt. Mies gelaufen! Die zweite Partie geht man also schon ganz anders an. Die Eigenschaften der Länder werden gezielter genutzt und mehrere Angriffstrupps begonnen, um bei Bedarf dem Spieler, der das Spiel zur Unzeit zu beenden droht, ein Land wegzunehmen, oder im geeigneten Moment selbst das Ende herbeizuführen.
In Saga steckt also wesentlich mehr Finesse, als man das zunächst vermutet. Die Planung, welches Land man wann erobert, ist auch immer davon abhängig, was die Gegner vorhaben. Steht ein anderer Spieler kurz davor das Goldland zu erobern, wartet man vielleicht noch eine weitere Runde bis man dies selbst tut. Denkt dies der Gegner jedoch auch, dient dies ausschließlich dem gegenwärtigen Besitzer des Goldlandes, der weiter die Punkte hierfür einsteckt. Ein gutes Timing und das Abschätzen der gegnerischen Pläne sind also ein erfolgversprechender Weg den Sieg davonzutragen.
Alles in allem kann man sagen: ein überraschend gutes Spiel in gelungener Aufmachung, das in allen Besetzungen zu überzeugen weiß, wobei es beim Spiel zu viert, gerade mit erfahrenen Spielern, etwas lange dauern kann, bis das Spielende eintritt und hier die Anzahl der beiliegenden Siegpunkte zu knapp bemessen ist.
|

Gesellschaftsspiel von Wolfgang Kramer & Horst-Rainer Rösner , Kosmos, ca. EUR 12,- 2-4 Pers., ab 12 J., ca. 40 Min.



|