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Sangimignano



Spielspaß

4

Material

4

Spielregel

5

Planung

6

Glück

2

Denken

5
Seltsam und höchst ungewöhnlich, wenn man von einem Spiel als erstes den Geruch wahrnimmt. Als wir den Deckel von San Gimignano zum ersten Mal öffneten, blieb uns die Luft weg. Auch das erste Spiel war im wahrsten Sinne des Wortes atemberaubend und tränentreibend. Ursache des Gestankes sind ANKER-Steine, die im Spiel als Türme fungieren. Was so unangenehm in die Nase steigt, ist ein Bestandteil der Steine. Leinöl verliert nur sehr langsam seinen Geruch, ist aber nicht, wie alle befürchteten, gesundheitsschädlich. Trotz dieses Hinweises waren zunächst keine Mitspieler zu finden. Es half also nur eine Radikalkur. Das Spiel kam ein paar Wochen zum Entlüften auf den Balkon und siehe da, der Geruch verschwand fast vollständig. Zum Vorschein kam ein Spiel, das durchaus Beachtung verdient.

Schauplatz des Spieles ist das mittelalterliche San Gimignano. Dort erbauen reiche Adelsfamilien als Zeichen ihrer Macht sogenannte Geschlechtertürme. Da jede Familie für sich in Anspruch nehmen will, die einflußreichste zu sein, kommt es bald zu einer wahren Bauflut. Um dem Einhalt zu gebieten, darf ein neuer Turm erst errichtet werden, wenn alle 4 am Ort ansässigen Zünfte dem zustimmen.

Spielanleitung


Der Spielplan zeigt nun keineswegs, wie man vielleicht erwarten könnte, eine schmucke, mittelalterliche Stadt. Nein, auf den sechseckigen Spielplanteilen, sind lediglich 3 der 4 Zünfte abgebildet, dargestellt durch Symbol und Farbe. Zusammen mit den ANKER-Steinen entsteht ein nüchterner, klarer Gesamteindruck, der den abstrakten Charakter des Spieles unterstützt. Einziger Kritikpunkt: Bei Kunstlicht sind die grünen und die blauen Zünfte schwer zu unterscheiden.

Zu Beginn liegen entsprechend der Teilnehmerzahl die ersten Spielplanteile aus. San Gimignano wächst aber im Verlaufe des Spiels noch an. Hierzu haben die Spieler weitere Teile erhalten, die offen vor ihnen liegen. Zunächst muß der aktive Spieler aber einen kleinen, runden Spielstein seiner Farbe auf einer Zunft plazieren. Auf jedem Zunftfeld dürfen maximal 2 Spielsteine liegen. Das dürfen zu Blockadezwecken durchaus auch Steine ein- und desselben Spielers sein. Mit dem Legen der Steine erhält man, um auf die Rahmengeschichte zurückzukommen, die Zustimmung dieser Zunft. Ziel ist es, 4 Spielsteine in 4 unterschiedlichen, zusammenhängenden Zünften, abzulegen. Damit ist die Voraussetzung für das Bauen eines Turmes erfüllt. Dieser wird auf einem dieser 4 Felder errichtet. Dieses Feld ist von nun an für weitere Viererketten tabu. Sowohl beim Legen der Spielsteine, als auch beim Bauen der Türme ist deshalb darauf zu achten, daß ein Zunftfeld möglichst oft genutzt oder sofort durch ein gleichfarbiges ersetzt werden kann. In der Regel ist jeder Spieler bemüht, sich ein eigenes Areal zu sichern, in dem er möglichst viele dieser Viererketten bauen kann. Spätestens jedoch, wenn alle Spielplanteile verbaut sind, wird es eng und Konflikte um Zunftfelder sind unausweichlich.

Das Anlegen der Spielplanteile findet zwischen dem Legen der Spielsteine und dem evtl. Bauen eines Turmes statt. Hierbei ist zu beachten, daß keine gleichen Zünfte nebeneinander zum Liegen kommen. Bei unseren ersten Partien wurden die Planteile noch relativ willkürlich an die Auslage angefügt. Doch schnell wurde klar, auch diese Phase des Spieles muß mit Überlegung angegangen werden. Ist z.B. auf den eigenen Spielplanteilen eine Zunft sehr selten vorhanden, müssen diese natürlich in der Nähe des Areals angelegt werden, in dem man eigene Spielsteine plaziert hat.

Fazit:
San Gimignano ist ein Denkspiel, das keine Fehler verzeiht. In jeder der drei Phasen eines Zuges ist höchste Aufmerksamkeit notwendig. Trotzdem ist es kein Spiel, das zu langem Grübeln verführt. Die notwendige Denkarbeit ist überschaubar und in einem angemessenen Rahmen durchführbar. Lange Wartezeiten, wie bei vielen Vertretern dieses Genres üblich, fallen meist nicht an.

Zu zweit ist San Gimignano spielbar, aber nicht empfehlenswert. Jeder baut in einer Ecke der Auslage, zu Konflikten um ein Zunftfeld kommt es selten und dann meist erst im letzten Spieldrittel. Zu dritt und zu viert kommen die Qualitäten des Spieles besser zum Tragen. Interaktion findet aber, das haben Denkspiele so an sich, nicht statt.

Um mit San Gimignano Spaß zu haben sind drei Dinge notwendig. Erstens, man muß solche trockenen Spiele mögen. Zweitens, man muß sich mehr als ein- oder zweimal mit dem Spiel beschäftigen. Und drittens, man braucht gleich starke Gegner, denn schwächeren Spielern werden bereits in der Anfangsphase Fehler unterlaufen, die das Spiel schon zu diesem Zeitpunkt entscheiden.

San Gimignano
Denkspiel von Duilio Carpitella, Piatnik, ca. EUR 30,-
2-6 Pers., ab 10 J., ca. 40 Min.

Auszeichnungen:
Spiel des Jahres: Auswahlliste (2002)
Spiel der Spiele: Spielehits mit Freunden (2002)

San Gimignano
Wolkenkratzer des Mittelalters

San Gimignano
Gleichfarbige Felder dürfen nicht aneinander gelegt werden.

San Gimignano
Ob San Giminagno auch so gerochen hat wie die Türme des Spiels? ;-))
 
 
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