Irgendwie scheint Venedig eine Spielerstadt zu sein, zumindest eine Stadt, in der Spiele gerne angesiedelt werden. So auch San Marco, ein Spiel von Ravensburger, in dem es um Mehrheiten in den verschiedenen Stadtbezirken geht.
Spielanleitung
Ziel des Spiels ist es, möglichst viel Prestigepunkte zu sammeln, die man erhält, wenn man in den einzelnen Stadtgebieten die Mehrheit an Adligen hat. Diese Punkte werden, wie üblich, auf einer Wertungsskala gezogen. Zu Beginn erhält jeder Spieler 25 Adlige (Holzwürfelchen) seiner Farbe, zwei Prestigesteine und eine Brücke. Der eine Prestigestein wird auf der Wertungsleiste gezogen, der andere dient der Kennzeichnung der Verteiler bzw. Entscheider, doch dazu später mehr. Nun würfelt der erste Spieler 4 Mal direkt hintereinander, um seine ersten 8 Adligen in Stadtgebiete zu setzen. Jedes der sechs Stadtgebiete ist durch eine Zahl von 1 bis 6 gekennzeichnet. Würfelt ein Spieler also 3,5,2 und 5, dann setzt er 2 Adlige ins Stadtgebiet Nr. 3, 2 in Nr. 2 und 4 in Nr. 5. Nun folgen die anderen Spieler. Danach setzt noch jeder Spieler seine Brücke (gekennzeichnet mit einem Adligen) als Verbindung zwischen zwei Stadtgebieten ein.
Nun fängt die erste von drei Runden an. Der Startspieler nimmt selbst die Rolle des ersten Verteilers ein, und lost unter den anderen die Rollen des ersten Entscheiders, des zweiten Verteilers und Entscheiders aus (ich beschreibe hier die Version für 4 Spieler, bei dreien gibt es da leichte Änderungen). Wer was ist, wird auf einem vorgesehenen Feld mit den Prestigesteinen gekennzeichent. Der erste Verteiler nimmt nun 5 Aktionskarten und 3 Limitkarten von den verdeckten Stapeln.
Folgende Aktionskarten gibt es hierbei:
Adligen einsetzen: diese Karten sind auf ein bestimmtes Stadtgebiet beschränkt. Wer aber eine Brücke von diesem Gebiet zu einem benachbarten sein Eigen nennt, darf den Adligen in das benachbarte Gebiet setzen.
Brücke bauen: Der Spieler nimmt eine Brücke vom allgemeinen Vorrat und verbindet damit zwei beliebige (natürlich benachbarte) Stadtgebiete.
Überläufer: Der Spieler darf einen beliebigen Adligen eines Mitspielers aus einem Stadtgebiet freier Wahl gegen einen eigenen austauschen. Der betroffene Mitspieler muss seinen Adligen wieder zu seinem Vorrat nehmen.
Verbannung: Der Adlige wählt ein Stadtgebiet, in dem die Verbannung stattfinden soll. Nun würfelt er einmal und nimmt so viele beliebige Adlige aus diesem Gebiet, wie er gewürfelt hat. Dabei muß eventuell auch er wieder Adlige zu seinem Vorrat zurücknehmen, wenn nicht genug fremde Adlige in diesem Gebiet stehen (z.B. vier fremde, ein eigener und er würfelt eine 5 oder 6).
Doge: Das Stadtgebiet, in dem der Doge steht, wird gewertet. Der Spieler, der diese Karte das erste Mal spielt, darf den Dogen in ein Stadtgebiet seiner Wahl einsetzen, danach darf der Doge nur über Brücken das Stadtgebiet wechseln. Nutzt der Spieler, der die Dogenkarte gespielt hat, dazu fremde Brücken, so muß er dem entsprechenden Mitspieler einen Punkt auf der Wertungsskala (Prestigepunkt) abtreten.
Der Spieler mit den meisten Adligen in dem zu wertenden Stadtgebiet erhält die höhere Punktzahl, die dort verzeichnet ist. Der zweite die niedrigere und alle anderen gehen leer aus.
Der Verteiler teilt nun seine Aktions- und Limitkarten in zwei Angebote auf, die er offen auslegt. Die Limitkarten haben Werte von 1 bis 3. Sie sind quasi der Haken an den guten Angeboten, weil man versuchen sollte, möglichst wenig von ihnen zu sammeln. So gibt es meist ganz gute Aktionskarten versehen mit hohen Limitkarten im einen Angebot und weniger interessante Aktionskarten mit nur einem Limitpunkt. Der Entscheider muß nun ein Angebot wählen und spielt die Aktionskarten sofort der Reihe nach aus. Die Limitkarte legt er offen vor sich hin. Das andere Angebot nimmt der Verteiler nun selbst und verfährt genauso. Das ganze spielt sich dann noch einmal mit zweitem Verteiler und Entscheider ab.
Haben alle ihre Angebote gespielt, wird der nächste Spieler Startspieler und die Verteilerei geht wieder los.
Das geht solange, bis ein Spieler zehn oder mehr Limitpunkte hat. Wenn mindestens zwei Spieler noch weniger Limitpunkte als zehn haben, so spielen sie unter sich noch einmal einen Durchgang. Andernfalls endet die Runde sofort. Alle Spieler, die jetzt noch unter zehn Punkten haben, bekommen die Differenz zu der höchsten Limitpunktzahl als Prestigepunkte auf der Wertungsskala. Zudem darf der Spieler mit den wenigsten Limitpunkten noch eine Verbannung durchführen.
Und die zweite Runde beginnt. Nach der dritten Runde gibt es noch eine Endwertung, in der alle Stadtteile gewertet werden. Bei dieser Wertung kann man oft noch von einem hinteren Platz auf das Siegerpodest springen, wenn man seine Adligen gut verteilt hat.
Fazit: San Marco ist ein durchweg stimmiges Spiel. Es gab nie Unklarheiten, obwohl es doch relativ komplex ist. Diese Komplexität rührt aber nicht von komplizierten Regeln her, sondern von den vielfältigen Möglichkeiten, diese einzusetzen. "Wie teile ich die Aktions- und Limitkarten auf?" Mein Entscheider braucht wahrscheinlich dringend diese Aktionskarte, da drück ich ihm doch noch ein paar Limitpunkte aufs Auge!" "Nehme ich das Angebot trotz der hohen Limitpunkte, oder verzichte ich auf die guten Aktionskarten mit Verbannung und Dogen und setze nur ein paar Adlige ein? Da bekomme ich nämlich weniger Limitpunkte!" So kann man seine Mitspieler mit geschickten Angeboten verzweifeln lassen.
An diesen Überlegungen droht San Marco aber in manchen Spielrunden zu scheitern. Wenn die Verteiler und Entscheider sich nämlich jede mögliche Kombination bzw. jedes Angebot genau durch den Kopf gehen lassen, kann das eigentlich relativ kurze Spiel extrem lang und langweilig werden, zumindest für Spieler, die sich gerne schnell entscheiden. Zum Glück hatten wir in unseren bisherigen San Marco-Runden aber keine Extrem-Taktiker dabei. So haben wir uns immer sehr gut unterhalten und uns auch ohne zu lange Überlegungen gegenseitig das Leben schwer gemacht.
Die Gestaltung von San Marco hat mich sehr überrascht. Irgendwie passt so etwas nicht zu Ravensburger Spielen, die sind in meinem Unterbewusstsein irgendwie anders verankert. Das ist aber nicht negativ gemeint, im Gegenteil. Eine positive Überraschung trifft diesen Eindruck eher.
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 Spiel um Mehrheiten von Alan R. Moon und Aaron Weissblum, Ravensburger, ca. 50,- DM 3-4 Pers., ab 10 J., 75 Min.
 Die Stadtteile sind durch Kanäle getrennt.
 Der Doge wartet auf die Wertung.
 Zwei Angebote liegen aus.
 Bessere Aktionskarten bringen auch mehr Limitpunkte.
 Und am Schluß ist Venedig ziemlich verbaut und bevölkert.
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