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Spielwiesn München 2002



Wem die SPIEL in Essen zu weit entfernt ist und in Süddeutschland lebt, hat seit ein paar Jahren eine prima Alternative. Zwar ist die Spielwies´n in München bei weitem nicht so groß wie die Veranstaltung in Essen, es gibt viel weniger Aussteller, die Kleinstverlage fehlen größtenteils und auch bei weitem nicht alle großen und mittleren Verlage haben einen eigenen Stand, trotzdem lohnt sich die Reise nach München. Von 10.00 - 23.00 Uhr kann man Samstag bzw. 10.00 - 18.00 Uhr am Sonntag mit Gleichgesinnten Neuheiten oder ältere Spiele bis zum Umfallen testen und evtl. kaufen.

Dieses Jahr war die Spielwies´n zum letzten Mal im Technischen Forum des Deutschen Museums. Ab 2003 findet die Veranstaltung in erweitertem Umfang im M, O, C, Münchner Veranstaltungs- und Ordercenter, statt.

Die Spielwies´n erstreckt sich über 2 Stockwerke. Im Untergeschoß gibt es eine gut ausgestattete Spielothek, in der man kostenlos Spiele ausleihen kann. Etwas problematisch waren die Biertische auf denen gespielt wurde. Einige Spiele benötigen eine Menge Platz und es war kaum zu bewerkstelligen, sie auf den schmalen Tischen unterzubringen. Ich habe Spieler beobachtet, die die Carcasonne-Auslage auf Knien und Händen neben dem Tisch weiterführten. Wie man sieht, können uns Spieler keine noch so widrigen Umstände davon abhalten Spaß zu haben. Man muß sich nur zu helfen wissen.

Im oberen Stockwerk waren die Verlage untergebracht. Leider haben wir es in der knappen Zeit bei weitem nicht geschafft, all die Neuheiten, die wir uns vorgenommen hatten, zu spielen oder sie uns zumindest erklären zu lassen. Aber einige sind doch zusammengekommen und die ersten Eindrücke wollen wir natürlich nicht für uns behalten.


KOSMOS hat mit Sicherheit die meisten Neuheiten zu bieten.

Abenteuer Menschheit ist ein weiterer Siedler-Ableger, der in Zusammenarbeit mit dem Stern entwickelt wurde. Mit den erwürfelten Ressourcen, das sind diesmal Feuerstein, Fleisch, Fell und Elfenbein, muß man versuchen Stämme zu bilden, die sich von Afrika ausgehend über die gesamte Erde ausbreiten. Dabei hat sich Klaus Teuber wieder einige feine Neuheiten ausgedacht, die weit genug vom Grundspiel entfernt sind, um interessant zu sein. Christian war von Abenteuer Menschheit richtig begeistert und auch ich, dem die vielen Siedler-Ableger langsam doch zu viel werden, muß zugeben, das Spiel hat Spaß gemacht.

Der kleine Prinz basiert auf dem berühmten Buch. Wir haben es mal angespielt, wurden am Kosmos-Stand aber gleich gewarnt, daß wir sicher nicht die Zielgruppe wären. Dem war dann auch so, aber für Gelegenheitsspieler und vertraute Runden ist Der kleine Prinz sicher bestens geeignet. Am ehesten läßt es sich als Kommunikationsspiel definieren. Aufgabe der Spieler ist es Bilder weiterzumalen, Dinge, die sich ein Spieler ausgedacht hat zu erraten oder Fragen zur literarischen Vorlage zu beantworten.
Der Herr der Ringe - Das Duell erscheint in der 2er Reihe. Die Spieler schlüpfen diesmal in die Rolle von Balrog und Gandalf, die sich mittels Karten, die an beiden Rändern bis zu 4 Stärkepunkte haben, bekämpfen Die Karten werden dominoartig aneinandergelegt, wobei mit der linken Seite der Angriff des Gegners verteidigt wird, mit der rechten aber sofort zum Gegenschlag ausgeholt wird. Die Minuspunkte, die dabei entstehen werden auf einer Leiste abgelaufen. Endet eine Runde, darf der Gewinner auf einer sehenswerten, sehr gelungenen Pappbrücke ein paar Stufen nach oben laufen. Das Spiel wirkte auf uns zunächst langweilig und beliebig, aber Peter Neugebauer hat ein paar Kniffe eingebaut, die die Sache dann doch sehr interessant machen. Bleibt abzuwarten, ob dieser Reiz auch mehrere Spiele überdauert.
Odins Raben von Thorsten Gimmler war für mich die positive Überraschung bei Kosmos. 2 Raben starten einen Wettflug auf einer zufällig ausgelegten Landschaftsstrecke, die man mittels Karten als erster beenden muß. Dabei gilt es die eigene Strecke zu optimieren und den Gegner so oft wie möglich am Vorankommen zu hindern. Besonders originell ist die Regel, daß man sich aus seinen eigenen Handkarten zusätzlich einen Nachziehstapel schaffen kann, der den eigenen Zug von 3 auf 6 ausspielbare Karten erhöht.
Hellas haben wir nicht selbst gespielt. Es sieht jedoch hochinteressant aus. Die Spieler bauen gemeinsam eine Landschaft auf, die mit Schiffen und Figuren besetzt wird. Das Spiel wurde direkt neben unserem Tisch gespielt und die beiden Kontrahenten waren sich am Ende nicht so recht einig. Dem einen gefiel das Spiel ausgesprochen gut, der andere war eher abgeneigt, es mit einer weiteren Partie zu versuchen.


ADLUNG

Bayon von Wolfgang Werner hat bei Christian und mir bereits ein halbes Dutzend Partien hinter sich und von der anfänglichen Begeisterung ist nichts verschwunden. Mittels Forschern, die im übrigen so klingende Namen wie Sarah Condor und Mirco Soft haben, versucht man möglichst viele wertvolle Expeditionen zu erfüllen. Hierfür benötigt man die richtige Ausrüstung. Da man aber die Expeditionen nach dem Anschauen wieder verdeckt ablegen muß, ist neben der Taktik ein gutes Gedächtnis vonnöten, wenn man den Auftrag erfüllen will. Diese Kombination ist äußerst gelungen und sorgt für ein abwechslungsreiches Spiel. Man sollte allerdings mindestens zu dritt sein, da es sonst zu einfach ist an die Expeditionen heranzukommen.
Canal Grande ist die Kartenspielversion von dem Ravensburger Brettspiel San Marco. Es kann zu zweit, oder wenn man ein weiteres Spiel besitzt, zu viert im Team gespielt werden. Die Autoren Moon/Weissblum haben sich hier auf das wesentliche Element des großen Vorbildes beschränkt und es von allem überflüssigen Ballast befreit. Wieder muß ein Spieler eine Kartenauslage in 2 Stapel teilen. Der andere entscheidet, welchen Stapel er nimmt und welchen der Gegner erhält. Bei bestimmten Karten kommt es zu Abstimmungen über einen der 6 Stadtteile Venedigs. Wer so zuerst eine der beiden Siegbedingungen erfüllt, wird neuer Doge der Stadt.
Sambesi sieht zwar aus wie ein Kinderspiel, stellt aber doch gewisse Ansprüche, an denen selbst Erwachsene scheitern können. Auf Tierkarten sind Krokodile, Elefanten und Flamingos abgebildet, die sich leicht unterscheiden. Diese Karten liegen auf dem Tisch ausgebreitet, eine weitere wird vom verdeckten Kartenstapel aufgedeckt. Nun gilt es möglichst schnell das Spielgelbild dieses Tieres zu finden. Wohlgemerkt - das Spiegelbild! Man glaubt nicht, wie oft man in der Eile da falsch liegen kann.
Bei Express werden nach und nach Buchstabenkarten aufgedeckt aus denen es schneller als die Mitspieler Wörter zu bilden gilt. Wer noch kein vergleichbares Spiel zu Hause hat, der sollte hier zuschlagen, denn billiger als bei Adlung bekommt man es sicherlich nicht.


Das sind die Spiele, die wir in den knapp 10 Stunden, die wir zur Verfügung hatten selbst spielen konnten. Ein paar andere haben wir uns aber erklären lassen oder von anderen Spielern erste Eindrücke erhalten. Das wollen wir euch natürlich nicht vorenthalten.

Bei EUROGAMES sind 3 Spiele erschienen, die alle für 2 Spieler konzipiert sind. Die Cover von Molly & Lore, Tony & Tino und Drake & Drake gefallen mir persönlich überhaupt nicht, umso besser gefallen mir die Spielpläne. Die Meinungen, die über diesen Dreierpack zu hören waren, gingen weit auseinander. Von "Überraschend gut" bis "Muß man wirklich nicht haben" war eigentlich alles vorhanden.

KRIMSUS KRIMSKRAMSKISTE hat in diesem Jahr das Thema Steinzeit für seine Spiele gewählt. Höhlengröhlen scheint ein einfaches Kartenspiel zu sein, bei dem man wertvolle Bands zusammenstellen muß. Da jedoch jede neue Band wertvoller als die vorausgegangene sein muß, sollte man nicht schon zu Beginn sein ganzes Pulver verschießen. Äußerst witzig ist die Gestaltung der Karten, die immer wieder schmunzeln läßt. Und wie schon bei Bayon von Adlung hat die nach ihrem Wetten daß Auftritt offensichtlich unvermeidliche Sarah Connor einen Gastauftritt.
Sehr gespannt bin ich auf Am Rande des Gletschers. Hier geht es darum das Überleben des eigenen Clans zu gewährleisten. Hierzu benötigt man Waffen, Heilkräuter und ganz wichtig Nahrung. Kann man nicht mehr alle Mitglieder seines Stammes über den Winter bringen, droht der Hungertod. Wer beim großen Clantreffen die meisten Ressourcen vorzuweisen hat, wird zum neuen Clansführer bestimmt.

Laut zu ging es bei ZOCH. Das Spiel des Jahres sorgte dafür, daß immer wieder Villen unter lautem Gepolter in sich zusammenbrachen. An neuen Spielen gibt es 2 Stück. Zu Virus kann ich gar nichts sagen außer, daß es ein Kartenspiel ist. Die zweite Neuheit König der Maulwürfel (man beachte bitte das L am Ende) richtet sich an Familien mit Kindern. Maulwürfe mit riesigen Mäulern, hinter die ein Würfel gelegt wird, erwecken rein optisch schon mal viel Neugierde. Wenn das Maul geöffnet wird, kullert der Würfel vorne durch den Mund heraus. Um was es genau geht, kann ich auch hier nicht sagen, aber die Familien, die ich beim Spiel beobachtet habe, hatten ganz offensichtlich riesigen Spaß.

Soviel zur diesjährigen Spielwies´n, die für Christian und mich ganz sicher ein fixer Termin im November werden wird. Und im nächsten Jahr werden wir 2 Tage zum Spielen und Kaufen und Stöbern kommen. Versprochen!
 
 
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