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Nicht wie letztes Jahr angekündigt zum ersten Mal im Münchner MOC, sondern zum wiederholten Male im Forum am Deutschen Museum fand die Münchner Spielwiesn dieses Jahr vom 8. bis 10 November statt.
Die Spielwiesn gliedert sich in zwei Bereiche: Im Erdgeschoss haben die Verlage ihre Stände, wo je nach Standgrösse nur erklärt wird oder auch gespielt werden kann. Eine Treppe runter gehts zur grossen Spielhalle, hier stehen bis auf ein paar Verlagsstände ausschliesslich Bierbänke, die von einem Spieleverleih mit grosser Auswahl und einem Essen- und Getränkestand versorgt werden ... ähm ... natürlich die Spieler, die an den Bänken sitzen. Wer hier womöglich mit einer großen Gruppe spielen will, sollte beizeiten einen Platz besetzen, gegen später wird das schwierig.
Etwas einfacher hatten wir es, weil wir uns in erster Linie den Neuheiten und damit den Verlagsständen widmeten. Hier gab es zwar auch mal Stoßzeiten, aber in der Regel konnte man sich schnell einen Platz ergattern und mit etwas Geduld auch einen netten Menschen, der einem die Regeln erklärte. Jaja, während wir letztes Jahr noch fleissig waren und fast alle Regeln selber lasen, waren wir dieses Jahr faul und rafften uns nur beim ersten Spiel zum Lesen auf. Ist halt doch viel bequemer!
Nachdem wir uns am Samstag ohne allzu großen Erfolg erstmal auf den Flohmarkt gestürzt hatten, machte Kosmos den Anfang, wo wir gleich das komplette Neuheitenprogramm durchspielten: Rette sich wer kann, Dracula, Die Brücken von Shangri-La, Anno 1503 und Der Fluch des Pharao.
Rette sich wer kann, das eine Spiel aus der Zweier-Reihe,war schnell erklärt und ebenso schnell vorbei. Naja, zu schnell irgendwie. Richtiges Interesse konnte das Spiel nicht wecken, sehr einfach zwar, aber irgendwie fehlte der Kick.
Weitaus besser gefiel uns Dracula: Ein Spieler übernimmt die Rolle von von Dr. Van Helsing, der Jagd auf Dracula, den anderen Spieler, macht. Ein auch nicht wirklich schweres Kartenspiel, jeder ist mit einem eigenen Kartensatz ausgestattet und muss bestimmte Karten des Gegners auf einem Spielplan finden. Das schwierige ist, dass nicht immer alle diese Karten auch auf dem Spielplan liegen und so weiss man nie so genau, wieviel Karten man denn überhaupt finden muss. Schön gestaltet und auf jeden Fall interessant ist dieses blutrünstige Zweierspiel.
Kaum hatten wir Den Fluch des Pharao kapiert, war es auch schon vorbei. Man muss sich einen Weg auf einem Spielbrett bahnen, legt dazu Wegplättchen aus, die die Gegner mitbenutzen können und versucht so zu bestimmten Feldern zu kommen. Dort gibt es Plättchen in verschiedenen Farben. Wer zuerst alle unterschiedlichen Farben oder eine gewisse Menge an Plättchen gefunden hat, gewinnt. Und vor allem wer Glück hat! So zumindest unser erster Eindruck.
Das nächste Spiel gingen wir ziemlich skeptisch an: Anno 1503. Ein Computerspiel als Brettspiel? Umgekehrt ist sowas ja schon mal gut gegangen... Auch wenn hier ziemlich viel Siedler drin ist, und auch wenn man nicht untereinander tauschen und handeln darf, fand ich Anno 1503 sehr gut. Übersichtlich, mit Siedlererfahrung ein absolut unproblematischer Einstieg und trotzdem ein eigenes Spiel mit eigenen Reizen. Da freu ich mich schon auf die nächsten Runden.
Über die Brücken von Shangri-La wird ja im Netz viel Gutes berichtet, uns konnte das Spiel aber nicht überzeugen. Zumindest, wenn man schon einige neue Spiele vorher gespielt hat, ist es zu schwierig, den Überblick bei diesem außerordentlich schön gestalteten Spiel zu behalten.
Damit waren wir mehr als den halben Tag bei Kosmos und überliessen dann auch unseren Platz anderen neugierigen Spielern, um was für den knurrenden Magen zu tun.
Mit vollem Magen gings dann weiter bei Krimsus Krimskramskiste, wo wir die zwei neuen Spiele erklärt bekamen: Die Rezension von Wo ist Jack The Ripper könnt Ihr ja schon abrufen, während In 80 Karten um die Welt, das weitaus mehr verspricht, noch ein bisschen warten muss. Die Idee dieses Spiels finde ich auf jeden Fall ganz gut und optisch sind beide Spiele hervorragend gelungen. Soviel sei schon mal gesagt.
Das Highlight, zumindest in unseren Augen, ist derzeit leider noch gar nicht erschienen, aber den Prototypen hätten wir am liebsten gleich mitgenommen. Die Rede ist von Coda, das zur Nürnberger Messe, also im Februar bei Winning Moves erscheinen soll. Hier hat jeder Spieler Zahlsteine mit den Werten 0 bis 9 so vor sich stehen, dass nur er die Zahlen sieht. Jede Zahl gibt es zweimal, einmal auf einem weissen Stein und einmal auf einem schwarzen. Die Steine werden nach den Werten sortiert und ergeben einen Code. Nun müssen die Gegner den Code stellenweise erraten. Ein tolles Spiel, das man schnell mal zwischendurch spielen kann, aber das nach Revanchen schreit.
Der Schatz des Drachen, ein Kinderspiel, ist eine witzige Memoryvariante, aber kein verkapptes Memory wie die anderen tausend Memoryvarianten, sondern schon mit Eigenheiten.
Alexandros ist ein taktisches Mehrheitenspiel, hat uns aber nicht vom Hocker gerissen. Die Begeisterung über Coda war auch einfach zu gross, als dass uns hier noch hätte etwas begeistern können.
Dass man nicht allzu viel neue Spiele an einem Tag kennenlernen sollte, merkte ich dann beim Zoch-Verlag. Mir tut die Dame leid, die uns O Zoo Le Mio so nett erklärte. Ich hab es einfach nicht kapiert. Nach ca. der Hälfte des Spiel kam dann der große Aha-Effekt und ich erkämpfte mir noch fast ein Unentschieden. Die Niederlage war aber nicht so schlimm wie die Erkenntnis, einen netten Menschen wegen einer ach so simplen Regel beinahe in den Wahnsinn getrieben zu haben.
Höchste Zeit für die Autospiele von Adlung: Nette und mit Sicherheit lukrative Idee, alle Spiele, die Kinder während der Fahrt in den Urlaub im Auto spielen können, in eine kleine Spielschachtel zu packen. Darin sind ettliche Spiele wir KFZ-Kennzeichen raten oder als erster ein rotes Auto sehen enthalten. Wer seine Kinder bei der Fahrt durch Spanien eine Weile ruhig stellen will, nimmt die Sache mit den Länderkennzeichen: Wer z.B. als erster ein Fahrzeug aus der Ukraine sieht, gewinnt.
Naja, da aber im Deutschen Museum reichlich wenig Autos hindurchfuhren, und schon gar nicht aus der Ukraine, erklärte uns die nette Hannah von Adlung Viele Dinge. Also, Viele Dinge heisst das Spiel. Hier liegen ettliche Karten mit irgendwelchen Abbildungen aus, dann wird eine Buchstabenkarte aufgedeckt, und jeder versucht Assoziationen mit diesem Buchstaben auf den Karten zu entdecken. Kann ich mir auch gut vorstellen, um damit spielerisch Englisch zu lernen.
Top Speed ist eine Variante von Speed und war zwar nicht ganz so schnell, hat aber trotzdem Spass gemacht.
Zauberschwert & Drachenei hat sich bei Adlung wohl am besten verkauft, das gab es ja auch im Set mit einer schönen Baby-Drachen-Figur. Das Fantasy-Spiel fand ich inhaltlich nicht so interessant, deswegen sind wir dann auch schnell zu Tempo gekommen. Hier wird mit Karten eine Rennstrecke abgesteckt. Auf einige Karten kommt eine Geschwindigkeitsbeschränkung und auf Los sortieren alle Spieler ihre Tempokarten in einer Reihenfolge, in der sie die Strecke abfahren. Wer als erster fertig ist, gewinnt. Aber nur, wenn er sich nicht verrechnet hat. Die Tempokarten können nämlich beschleunigen (+ 30 bis +150 kmh), bremsen (-30 bis -150 kmh) und das Tempo halten. Und bei einer Geschwindigkeitsbeschränkung von 60 kmh darf man natürlich nicht darüber liegen. Außerdem darf man nie langsamer als 30 fahren und muss im Ziel auf Null kommen. Das ist wirklich nicht so einfach, wenn man unter zeitlichem Druck steht.
Das Fazit nach dem ersten Tag war eher enttäuschend. Von wenigen Ausnahmen war nichts begeisterndes dabei gewesen. Nette Spiele schon, aber nichts, was man unbedingt sofort daheim bräuchte. Außer Coda, aber das gibt es ja noch nicht.
Am nächsten Tag war wieder erst einmal Shopping angesagt. Während der Flohmarkt aber wieder nicht wirklich was abwarf, gabs bei Piatnik die limitierte Scrabble-Ausgabe im Look'n'Feel der ersten Ausgabe von 1955 zum Schnäppchenpreis. Na klar, für jeden von uns zweien eins mitgenommen, und weiter gings zu Zoch.
Die Dame vom Vortag, die sich von uns wahrscheinlich schon verfolgt fühlte, schliesslich trifft man ja niemanden zufällig im McDonalds beim Frühstück, hatte tatsächlich noch die Nerven, mir bzw. uns Froschkönig zu erklären. Dieses Spiel fanden wir aber nicht mal für Kinder wirklich interessant, so dass wir das Spielende schnell herbeiführten, um dann zu Amigo zu gehen.
Hier machte Santiago den Anfang und rettete unsere Stimmung gegenüber den Herbstneuheiten. Endlich ein Spiel, auf das man sich freut, dass man am liebsten sofort mitnehmen möchte. Hier werden Anpflanzungen versteigert, aber Vorsicht, denn nur ein Spieler legt pro Runde einen Bewässerungskanal. Dieser ist zwar bestechlich, aber kann es ja nicht immer allen recht machen, wenn sie auch alle was bieten. Anpflanzungen, die nicht am Bewässerungskanal liegen, trocknen langsam aus und sind nach der zweiten Runde ohne Wasser wertlos.
Da Amigo auch Kidult-Games vertreibt, kamen wir hier auch zu dem Vergnügen, Coyote zu spielen: Jeder trägt ein Stirnband und darin steckt einen Zahlenkarte, unter Umständen auch mit negativen Werten oder Multiplikatoren o.ä. Der erste sagt, wie hoch die Gesamtzahl sein könnte, der nächste muss erhöhen, bis es einer nicht mehr glaubt. Dann wird aufgedeckt und zusammengezählt. Ist der geschätzte Wert niedriger oder gleich, bekommt der Zweifler einen Coyoten an das Stirnband gepappt, andernfalls der Spieler, der zu hochgelegen hat. Wer zuerst drei Coyoten auf der Stirn kleben hat, verliert.
Das hat natürlich tierisch Spass gemacht und erst nach zwei verlängerten Runden liessen wir auch andere Menschen wieder an den Tisch, um uns Yellowstone Park zu widmen. Das war wieder richtig klasse, ein schönes einfaches, spannendes Spiel, indem man Höhen und Tiefen erlebt. Man muss Karten mit Zahlen und Farben in ein vorgegebenes Muster legen, jedoch dürfen die ausliegenden Karten nur in einem 3 mal 3 großen Raster liegen. Wer ausserhalb des Rasters legt, muss Karten an sich nehmen, so dass das Raster wieder stimmt. Wer seine Handkarten gut abbaut, kann Karten, die er an sich nehmen musste, wieder auf die Hand nehmen. Zu bestimmten Zeitpunkten wird abgerechnet. Jede Karte, die man vor sich liegen hat, zählt einen Minuspunkt. Bei diesem Spiel kann man schnell von wenig Karten zu viel Karten und umgekehrt kommen.
Optisch ist Yellowstone Park sehr gewöhnungsbedürftig, sehen die abgebildeten Tiere doch mehr nach Halluzinationen aus. Eigentlich bräuchte so ein Spiel auch gar kein Thema, so wirkt das Thema doch sehr aufgesetzt.
Natürlich gab es noch einige Verlage mehr. Ravensburger, Hans im Glück, Abacus, Eurogames, Haba, Selecta, Yun-Games und einige mehr präsentierten ebenfalls ihre Spiele. Wollte man aber alles spielen, müsste man entweder hetzen oder drei Tage dort sein. Die Spielwiesn gibt einem aber auch so schon einen guten Überblick über das, was am Spielemarkt so geht, und bietet eine gute Gelegenheit, mit Familien, Freunden und Bekannten Spiele auszuprobieren, erklären zu lassen und auch das eine oder andere Schnäppchen zu machen. Ein schönes Spielefest mit vielen Turnieren, der langen Nacht der Spiele am Samstag und vielem mehr.
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