Weltraumfahrer? Na klar - da fallen mir auf Anhieb doch ein paar ein. Juri Gagarin, Neil Armstrong, Sigmund Jähn, Captain Kirk, Perry Rhodan, Luke Skywalker, Tom Tube. TOM TUBE? Äh, Moment, von Tom Tube habe ich bisher noch nie etwas gehört. Angeblich ist der Kerl gerade dabei, zusammen mit seinem Kumpel Drifting Dave, eine Raumstadion aufzubauen. Mal sehen, ob die beiden es hierfür tatsächlich verdient haben, gemeinsam mit den oben aufgeführten Helden der Raumfahrt in einem Atemzug genannt zu werden.
Spielanleitung
Auf den beiden Seiten des sechseckigen Planes haben die Spieler Tom und Dave ihre Basen bereits installiert. Und auch die jeweils 2 Solar-Module auf den schräg gegenüberliegenden Seiten sind betriebsbereit. Lediglich die Röhren, die das gesamte System verbinden, müssen noch auf dem mit Dreiecken überzogenen Spielfeld gebaut werden. Ziel ist es, auf dem Weg von der eigenen Basis zu den beiden Solar-Modulen und wieder zurück möglichst viele Punkte zu sammeln.
Der Spieler, der am Zug ist, hat immer die Wahl zwischen Röhren bauen oder die eigene Spielfigur bewegen. Zu Beginn des Spieles wird er überwiegend die erste Möglichkeit nutzen, er zieht eines der verdeckten Plättchen und legt es offen auf dem Spielplan ab. Die Plättchen zeigen in unterschiedlicher Anordnung Röhren in Toms und Daves und in einer neutralen Farbe. Zur Fortbewegung dürfen die Spieler nur eigene und neutrale Röhren benutzen, nie die des Gegners. Beim Legen versucht man also ein System aufzubauen, daß das eigene Vorankommen erleichtert und das des Mitspielers erschwert. Interessanterweise sind die Plättchen nicht, wie man vermuten könnte, dreieckig, es handelt sich um Rauten, die genau 2 Felder auf dem Spielplan bedecken. Die Form der Plättchen wirkt zunächst sehr fremd und anfangs hat man echte Schwierigkeiten, die ungewohnten Rauten so anzulegen, daß sie dem eigenen Spielziel dienen. Mit zunehmender Erfahrung gelingt es aber immer besser, die Möglichkeiten des gezogenen Plättchens zu erkennen und sinnvoll einzusetzen. Dann werden Rauten auch ganz gezielt so plaziert, daß eine Lücke entsteht, in die nur noch ein Dreieck paßt. Jeder Spieler hat bei Spielbeginn einen Satz von je 9 Dreiecken erhalten, welche nur Röhren der eigenen Farbe zeigen oder völlig leer sind. Eines davon muß nun in die entstandene Lücke gelegt werden, was geschickt genutzt, eine hervorragende Chance bietet, das eigene Röhrennetz zu optimieren.
Da nicht unbedingt der schnellste Spieler gewinnt, sondern derjenige, der die meisten Punkte einsammeln kann, sollten die Rauten möglichst auch so angelegt werden, daß sich viele Punkte auf dem eigenen Weg befinden. Gelbe Energiesteine (1Punkt) werden immer auf die mit einem Kreuz gekennzeichneten Rauten gelegt. Die beiden anderen Spielsteinsorten kommen nur dann zum Einsatz, wenn ins Zentrum von 6 belegten Dreiecken, den sogenannten Raumkugeln, nur eine oder keine Röhre führt. Auf erstere legt man die blauen Kontrollsteine (2Punkte), auf zweitere grüne Aliensteine (5 Punkte).
Anstatt Plättchen zu legen, kann ein Spieler auch mit seinem Raumfahrer durch die Röhren schweben. Start- und Zielpunkt ist die eigene Basis. Dazwischen geht es über eine möglichst punkteträchtige Strecke zu den beiden Solar-Modulen, wo die beiden Solarsteine (je 5 Punkte) eingesammelt werden. Bewegen darf man sich, wie bereits erwähnt, nur in eigenen und neutralen Röhren. Nach der Abgabe eines Kontrollsteines darf man innerhalb eines Zuges jedoch auch gegnerische Röhren benutzen. Außerdem darf eine Figur nur durch Raumkugeln schweben, die vollendet sind.
Immer, wenn ein Raumfahrer auf einen Spielstein trifft, bleibt er stehen und sammelt ihn ein. Ebenso ist eine Bewegung beendet, wenn die Figur innerhalb einer Raumkugel die Richtung ändern muß. Durch geschicktes Bauen ist es also möglich, vor allem auf dem Heimweg, wenn schon viele Spielsteine eingesammelt wurden, größere Strecken auf einmal zu überwinden.
Eine weitere Art der Bewegung ist der Raumsprung. Nach Abgabe eines Energiesteines darf eine Figur entlang einer Dreieckskante von einer Raumkugel zu einer direkt benachbarten schweben ohne dabei eine Röhre zu benutzen. Auf diese Weise kann ein Raumfahrer lästige Umwege umgehen und nur so ist das Einsammeln der grünen Aliensteine möglich.
Ist der komplette Spielplan mit Rauten belegt und ein Raumfahrer erreicht seine Basis, endet das Spiel. Die eingesammelten Spielsteine werden entsprechend ihres Wertes addiert. Der mit den meisten Punkten gewinnt. Kommt ein Spieler jedoch mit beiden Solarsteinen zurück, bevor alle Felder belegt sind, gibt es zusätzlich zu den eingesammelten Spielsteinen, für den schnelleren Raumfahrer noch einen Bonus. Die Anzahl der Züge, die der Gegner noch braucht, um in die Basis zurückzukehren, wird seinem Punktekonto gutgeschrieben.
Fazit:
Um die eingangs gestellte Frage zu beantworten: JA - Tom Tube und Drifting Dave dürfen ohne Zweifel in einem Atemzug mit Luke Skywalker und Captain Kirk genannt werden. Roland und Tobias Goslar haben mit ihrem Erstlingswerk und ihrem kleinen Verlag einen grandiosen Start hingelegt. Das Material und die Gestaltung von Schachtel und Plan sind absolut professionell. Die Regel, oftmals ein Manko bei Kleinstverlagen, ist reich bebildert, gut gegliedert und bis auf wenige Ausnahmen gut verständlich. Und das Spiel selbst gewinnt mit jeder Partie. Tom Tube hat eine überraschende Bandbreite, wie man es spielen kann. Mal eher konstruktiv, mal eher destruktiv, mal baut man lange, mal läuft man sehr früh los, aber egal wie man es angeht, es wird nicht langweilig. Deshalb gibt es hier eine ganz klare Empfehlung: Leute, ab in die Läden und kauft Tom Tube. Dieser Kleinstverlag und dieses Spiel haben einen Erfolg verdient.
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 Gesellschaftsspiel von Roland & Tobias Goslar, Kronberger Spiele, ca. EUR 15,- 2 Pers., ab 10 J., ca. 20-30 Min.
 Noch ist der Raum ziemlich leer.
 Schon bald kann Tom die ersten Energiesteine einfahren.
 Das Röhrensystem wächst...
 ...und wächst.
 Am Ende zählen die eingesammelten Spielsteine.
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