HATSCHI. Einer meiner lieben Mitspieler hat mir mit frechem Grinsen und ohne jegliches Bedauern mitten ins Gesicht geniest. Und jetzt liegt so ein ekelhafter Bazillus direkt vor mir, bereit mich zu infizieren. Gott sei Dank habe ich vorgesorgt. Meine Apotheke ist bestens ausgestattet. Schnell werfe ich ein paar Tabletten ein und schon bin ich immun. Fürs erste zumindest. Den Virus habe ich derweil an meinem rechten Nachbarn weitergereicht, der mich böse anstarrt. Ich weiß gar nicht was der will. Schließlich kann ich nichts dafür, daß er für Notfälle nicht gerüstet ist. In seinem desolaten Gesundheitszustand wird sich der Virus natürlich bei ihm einnisten und es wird nicht lange dauern, bis der bedauernswerte Kerl auf der Intensivstation landet. Ja - so schnell kann es gehen. Zu Beginn der Partie Virus & Co. war der Gute noch kerngesund. Knappe 20 Minuten später liegt er auf der Intensivstation. Aber uns anderen geht es nicht wesentlich besser. Vollgepumpt mit Medikamenten und trotzdem virenbefallen, zählen
wir unsere Punkte zusammen. Dreimal ermitteln wir so unseren Besten, dann steht fest, wer den garstigen Bazillen am ehesten getrotzt hat.
Spielanleitung
Aber nun mal langsam und von vorne. Ausgestattet mit einer ordentlichen Ration an Tabletten startet man in das Spiel. In der Tischmitte liegen zwei Kartenstapel bereit, die beiden obersten Karten jeweils offen. Diese zeigen meist gefährliche Viren im Wert 1 bis 6. Wer an der Reihe ist, nimmt eine der beiden Karten und hat 2 Möglichkeiten damit zu verfahren.
1. Man legt eine der beiden Viren vor sich ab und erkrankt im entsprechenden Wert. Als Entschädigung für diese Selbstinfizierung erhält man die auf der Karte abgebildeten Tabletten aus der Apotheke, die sich in der Tischmitte befindet.
2. Man bringt einen Virus in Umlauf, d.h. man jubelt ihn dem rechten oder linken Nachbarn unter. Klar, daß der davon nicht begeistert ist und den Virus seinerseits weiter schieben will. Das kostet allerdings. Der erste, der die Karte nicht behalten will, gibt eine Tablette im Wert von 1 ab, der zweite Tabletten im Wert von 2 usw. Der Virus kann durchaus zurück zu seinem Entsender kommen und dann zahlt auch dieser. Wer die Karte schließlich behält, entweder weil ihm die Sache zu teuer wird, oder weil er über nicht genügend Tabletten verfügt, darf die eigenen eingesetzten Tabletten zurückholen. Alle anderen Spieler geben ihre Pillen an die Apotheke ab.
So sammelt man Viren um Viren und nähert sich stetig der Grenze von 12 Punkten, die Kranke von Todkranken unterscheidet.
Neben Tabletten gibt es nur ein weiteres Mittel gegen die bösen Erreger: Spritzen. Diese erhält man ebenso wie Viren von den beiden Kartenstapeln in der Tischmitte und auch hier kann man entscheiden, ob man die Karte weiterreicht oder selbst behält. Eine Spritze auf einen Virus gelegt, halbiert dessen Krankheitswert, eine zweite Spritze macht in gänzlich unschädlich. Wer nun aber meint, auf diese Weise könne man vollkommen genesen, hat sich geschnitten. Die dritte Spritze in der eigenen Ablage hat eine ordentliche Überdosis zur Folge und bedeutet ebenso Intensivstation und somit Ende einer Runde, wie der Krankheitswert von 13 oder mehr.
Ab dem Krankheitswert 4 hat jeder Spieler eine weitere Zugmöglichkeit. Es darf eine der Risikokarten ausgespielt werden, die zu Beginn der Partie verteilt werden. Auf ihnen sind allerhand Aktionen verzeichnet, ungefähr zur Hälfte gut und schlecht für den Spieler, der sie letztendlich erhält. Der Clou an der Sache ist, daß man die Karten nicht für sich selbst nutzen kann, sondern sie einem beliebigen anderen verdeckt anbieten muß. Dieser entscheidet, ob er die Karte weiterreicht (was den Absender um 1 Tablette reicher macht), oder ob er sie behält und mit den Konsequenzen lebt. Auf diese Weise kommt man zu neuen Tabletten oder gibt welche ab. In anderen Fällen muß man raten, wer auf der Intensivstation landet oder man darf einem Mitspieler eine Plage an den Hals wünschen. Die lustigste Karte ist "Der Herr Doktor". Der Besitzer dieser Karte muß für den Rest der Runde mit "Sie" angeredet werden. Bei Zuwiderhandeln erhält der so plötzlich zu akademischen Ehren gelangte Spieler Tabletten, und um dies zu verhindern wurde in unseren Spielen schon des öfteren ein Schweigegelübde abgelegt. Letztendlich nützte es aber nie etwas, da der Herr Doktor uns immer wieder zum Sprechen animierte und sich am Ende vor Tabletten kaum retten konnte.
Am Ende einer Runde werden für den Spieler, der auf der Intensivstation landet 13 Minuspunkte notiert, alle anderen zählen den Wert ihrer Tabletten zusammen und ziehen davon ihren Krankheitswert ab. Wer so nach 3 Runden die meisten Punkte errungen hat, braucht sich vor gefährlichen Krankheitserregern in Zukunft nicht mehr zu fürchten.
Fazit:
Wer lustige, unkomplizierte Spiele mit einem Schuß Bösartigkeit mag, wird mit Virus & Co. bestens bedient. Das Glück spielt eine wichtige, aber nicht die alles entscheidende Rolle. Witzigstes Element sind die Risikokarten. Es macht einfach Spaß mit Unschuldsmine einem Mitspieler eine böse Plage zuzuschieben. Und umgekehrt ist die Entscheidungsfindung, eine angebotene Risikokarte anzunehmen oder abzulehnen, immer wieder spannend. Auch die Grafik, die das originelle Thema witzig umsetzt, trägt zum Spielspaß bei. Voraussetzung ist jedoch, daß man Virus & Co. locker aus dem Bauch heraus spielt und in gelöster Stimmung ist. Dann dürfte einem lustigen Abend nichts mehr im Wege stehen.
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 Kartenspiel von Frank Stark und Jörg Spiegelhalter, Zoch, ca. EUR 10,- 3-6 Pers., ab 11 J., ca. 15 Min.
 Spritze oder Spritze? Wer die Qual hat, hat die Wahl.
 Diese fiesen Viren!
 Diese Karte kann je nach Mitspielern ziemlich gewinn- ähm, pillenbringend sein.
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