Waren quer durch Deutschland transportieren? Das kennen wir doch? Auf Achse war, als ich im zarten Alter von 12 Jahren war, mein Lieblingsspiel, eins der Spiele, die wir zu Weihnachten bekamen, weil's Spiel des Jahres war. Aber nicht nur das Transportmittel ist bei Volldampf ein Zug statt eines Lastwagens bei Auf Achse, auch der Spielablauf ist ein anderer.
Spielanleitung
Der Spielplan spiegelt Deutschland in den 20er Jahren wider. Einige deutsche Städte sind in den Farben violett und blau dargestellt, rot und gelb sind dagegen Verbindungen zu Städten benachbarter Länder. Zwischen den Städten sind Eisenbahnstrecken eingezeichnet, die jeweils durch ein Symbol gekennzeichnet sind. Um Deutschland liegt eine Erfolg- bzw. Einkommensleiste, auf deren Startfeld jeder Spieler seinen Marker stellt.
Auf Warenkarten sind jeweils drei Städte verzeichnet, Streckenkarten gibt es mit den 4 Symbolen der Eisenbahnstrecken.
Zudem gibt es Aktionskarten, die einem Vorteile bringen können.
Spielgeld gibt es auch, jeder erhält zu Beginn 10 Mark (nein, wirklich keine 10 Tausend).
Jede Runde beginnt mit dem Einsetzen neuer Waren auf die drei Städte einer gezogenen Warenkarte. Dann werden Streckenkarten aufgedeckt, und zwar pro Spieler ein Set, bestehend aus 3 zufällig gezogenen Karten.
Da die Spieler mit ihren10 Mark Startkapital natürlich nicht weit kommen, können sie nun Anleihen aufnehmen. Pro Anleihe gibt's 6 Mark, jedoch später wird natürlich Geld zurückgezahlt (in jeder Runde pro Anleihe 1 Mark).
Mit diesem erhöhten Startkapital wird nun zuerst die Zugreihenfolge ersteigert. Der erste darf sich dann auch als erster ein Streckenkarten-Set nehmen usw.
Jetzt darf jeder Spieler abwechselnd bis zu 3 Gleisstücke seiner Farbe legen. Um ein Gleistück auf einen bestimmten Streckenabschnitt zu legen, benötigt man eine Streckenkarte mit dem passenden Symbol. Zudem muß man einen Betrag zahlen, der auf dem Streckenabschnitt vermerkt ist. Verbaut man nicht alle Streckenkarten, so muß man die restlichen ungenutzt abgeben.
Über diese nun vorhandenen Eisenbahnstrecken werden nun die Waren transportiert. Es können nur Waren transportiert werden, die bereits auf einer Stadt auf dem Spielplan stehen. Und diese können nur in Städte ihrer Farbe - es gibt Waren in den vier Farben der Städte - transportiert werden. Dabei dürfen sie über maximal 6 mit Gleisstücken bebaute Streckenabschnitte gezogen werden. Hierbei darf jeder Spieler für jedes seiner Gleisstücke, über das eine Ware gezogen wird, einen Platz auf der Einkommensleiste vorrücken. Oft dürfen also auch andere Spieler vorrücken, wenn man Waren transportiert.
So ist der Reihe nach jeder maximal zweimal an der Reihe. Verzichtet ein Spieler auf einen Transport, so erhält er eine Aktionskarte, mit der er in der nächsten Runde zum Beispiel beim Gleisstück-Bauen Vergünstigungen erhält oder beim Transport einmal mehr ziehen darf.
Als Abschluß einer Runde erhält jeder Spieler sein Einkommen, nämlich genau so viel Mark, wie seine Position auf der Einkommensleiste angibt. Allerdings muß der Spieler jetzt aber auch für jede seiner Anleihen 1 Mark Dividende an die Bank zahlen. Reicht sein Geld hierfür nicht aus, so muß der Spieler entsprechend viele Felder auf der Einkommensleiste zurück.
Hat jeder seine Finanzen geklärt, so beginnt eine neue Runde, in der auch wieder zusätzliche Anleihen aufgenommen werden können. So können sich im Laufe des Spiels eine ganze Menge davon ansammeln, aber normalerweise steigt ja auch das Einkommen immer ganz gut an.
Wie gut, das zeigt sich, wenn alle Streckenkarten versteigert wurden. Dann müssen die Spieler ihre Anleihen von ihrem Einkommen abziehen. Wer jetzt auf der Einkommenleiste am weitesten gekommen ist, gewinnt.
Fazit: Das einzig komplizierte an Volldampf ist, dass eine Runde aus 7 Aktionen besteht. So muß man anfangs öfter mal in die Regel schauen, um keine Aktion zu übergehen. Gerade die Anleihen wurden bei unseren Spielrunden oft auch mal später verteilt, weil man sie vergessen hatte. Ansonsten läuft das Spiel aber locker von der Hand, obwohl der Glücksfaktor relativ gering ist und man sich schon überlegen muß, wo man seine Gleisstücke baut. Und gerade darin liegt der Reiz des Spiels: Baue ich meine Gleisstücke auf die einzigen Verbindungen zu bestimmten Städten? Das ist zwar etwas teurer, aber wer hier Waren transportieren will, muß über meine Gleisstücke. Oder versuche ich "billige" Streckenabschnitte so zu bebauen, dass ich lange Transporte über meine Strecken führen kann. Wichtig ist natürlich auch so zu bauen, dass die anderen auch über die eigenen Gleisstücke fahren.
Die Gestaltung von Volldampf ist dagegen aber nicht gerade erwähnenswert. Es wirkt auf mich einfach ein bisschen angestaubt. Daß der Karton ein Buch darstellen soll, habe ich auch erst auf den zweiten Blick gemerkt. Dies sieht im Regal ganz witzig aus, aber bringt dem Spiel an sich auch keine optische Besserung.
Diese optischen Mängel werden aber locker durch die Spielidee und -umsetzung ausgeglichen. Wer gerne im Spiel plant, ohne komplizierte Regeln zu beachten, liegt mit Volldampf auf jeden Fall richtig.
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 Versteigerungsspiel für Planer von Martin Wallace, TM-Spiele, ca. 50,- DM 2-6 Pers., ab 10 J., 70-90 Min.
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