Als ich von Winhard zum ersten Mal hörte, war ich davon überzeugt, der Titel sei englisch und solle signalisieren, daß das Spiel schwer zu gewinnen sei. Weit gefehlt. Seinen Namen verdankt Winhard seinen beiden Schöpfern Erwin und Reinhard Pichler, die einfach die beiden letzten Silben ihrer Vornamen aneinander gefügt habe. Das ist wirklich originell, mal sehen ob es das dazugehörende Kartenspiel auch ist.
Spielanleitung
Das Eichhörnchen Winhard und seine Freunde sammeln für den bevorstehenden Winter emsig Nüsse. Diese sind auf Karten abgebildet, die es in 4 Farben gibt und die jeweils die Werte 1 bis 14 zeigen. 4 Stück davon hat man zunächst auf der Hand. Ziel ist es, diese schnell loszuwerden, oder anders ausgedrückt, in die heimische Vorratskammer zu schaffen. Der Startspieler legt eine seiner Karten offen auf den Tisch und eröffnet somit das erste Versteck. Alle nachfolgenden Spieler haben von nun an die Auswahl zwischen 4 Aktionen, für die ihnen 2 Aktionspunkte (AP) zur Verfügung stehen.
Für 1 AP darf man eine Handkarte auf ein bereits existierendes Versteck legen. Voraussetzung hierfür, die Karte hat den gleichen Wert oder die gleiche Farbe wie die oberste Karte des Versteckes. Wird die gleiche Farbe gespielt, ist eine zusätzliche Bedingung zu erfüllen. Eine Baumkarte, die neben den Verstecken ausliegt, zeigt an, ob man höhere oder tiefere Werte spielen muß. Durch diese Regel ist es nicht einfach, 2 Karten in einem Zug loszuwerden, deshalb muß man öfter, als einem lieb ist, auf die Aktionen zurückgreifen, die 2 AP kosten.
Für 2 AP darf man ein weiteres Versteck eröffnen, oder 1 Karte vom Stapel nachziehen, oder um Nüsse zocken. Letzteres ist ein probates, aber nicht ungefährliches Mittel, um Spieler zu bremsen, die nur noch wenige Karten auf der Hand haben und funktioniert folgendermaßen: Der Herausforderer legt fest, ob er gerade oder ungerade zocken will. Dann legen beide Spieler eine ihrer Karten verdeckt ab und drehen sie gleichzeitig um. Die gerade oder ungerade Summe der Zahlenwerte zeigt, wer der Gewinner dieses Duells ist. Der Unterlegene muß 2 Karten nachziehen.
Die letzte Möglichkeit steht nur dem Spieler offen, der gerade den Abfallkorb besitzt. Für 1 AP kann man eine beliebige Karte unter den Abfallkorb schieben. Es sind also weder Werte noch Farben zu beachten. Klar, daß diese attraktive Möglichkeit, die Handkarten loszuwerden, einen Haken hat. In den Nachziehstapel sind in ungefähr gleichen Abständen 4 Windböen eingemischt. Wird eine solche nachgezogen, erhält der momentane Besitzer des Abfallkorbes alle Karten daraus als Minuspunkte und der Korb wechselt zum linken Nachbarn weiter. Entscheidend ist es also, den richtigen Zeitpunkt abzupassen, wann man den Korb freiwillig weitergibt. Dies ist aber immer nur dann möglich, wenn ein anderer Spieler seinen Zug beendet hat.
Schafft es ein Spieler alle seine Handkarten loszuwerden, darf er sich den größten Versteckstapel nehmen. Jede Karte daraus zählt 2 Pluspunkte. Danach füllt er seine Hand wieder auf 4 Karten auf. Wird die vierte Windböe gezogen, das ist nach ca. 15 Minuten der Fall, endet das Spiel, und Plus- und Minuspunkte werden zur Ermittlung des Siegers miteinander verrechnet.
Fazit:
Ohne Zweifel, Winhard funktioniert, überzeugen konnte es mich jedoch nicht. Das spannendste Spielelement ist auf jeden Fall der Abfallkorb und der richtige Moment seiner Weitergabe. Da Winhard jedoch, wie alle Adlung Spiele auf insgesamt 66 Karten beschränkt ist, kommen für meinen Geschmack die Windböen zu oft und zu abschätzbar. Ein paar Karten mehr hätten dem Spiel gutgetan. Auch wirkt das Zocken um gerade oder ungerade Summe wie ein Fremdkörper im Spiel. Es ist zwar unzweifelhaft notwendig, eine Möglichkeit zu haben, Spieler mit nur noch wenigen Handkarten auszubremsen, aber die gewählte Lösung überzeugt nicht. Viel besser ist dies in der angebotenen Variante gelöst. Hier darf man, nachdem man eine Handkarte auf ein Versteck gelegt hat, als zweite Aktion einem Mitspieler eine Karte geben. Wäre dies die Hauptversion von Winhard, ich hätte beim Spielspaß eine 4 vergeben.
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Kartenspiel von Erwin und Reinhard Pichler, Adlung, ca. EUR 6,- 2-4 Pers., ab 10 J., ca. 20-30 Min.


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